Bessere Bösewichte schreiben

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Jeder Held ist nur so gut wie der Bösewicht, den er besiegt hat, könnte man meinen – und doch ist es ausgerechnet der Antagonist auf den viele Autoren am wenigsten Zeit aufwenden: Er ist halt „irgendwie böse“, der Held muss ihn aufhalten, was gibt es dazu noch zu sagen?

Eine Menge.

Lesen Sie hier daher, wie man gute oder bessere Bösewichte schreibt!

Bösewichte schreiben Foto
von vmiramontes

Motivation des Antagonisten

Das Wichtigste für einen guten Antagonisten ist eine starke und nachvollziehbare Motivation. Offensichtlich, sollte man meinen, gilt das doch im Grunde für jeden Charakter, aber häufig wird beim Gegenspieler des Helden davon ausgegangen, dass er einfach von Natur aus böse ist. Nur: Die wenigsten „Bösen“ sind sich wirklich ihrer niederen Motive bewusst, im Gegenteil: Fast jeder Bösewicht sieht sich selbst als Held in seiner eigenen Geschichte und seine Motivation als begründet an.

Genauso wie der Held braucht daher auch der Antagonist eine klare Backstory und nachvollziehbare Ziele sowie in der Regel einen durchdachten Plan, wie er diese Ziele erreichen will. Gleichzeitig sollte man nicht den Fehler machen, das alte James-Bond-Klischee zu bedienen und den Bösewicht sich und seine Pläne im letzten Moment selbst erklären lassen – das wirkt in nahezu jedem Genre künstliche und klischeehaft.

Bösewicht mit Stärken und Schwächen

Darüber hinaus sollte der Bösewicht natürlich in den meisten Fällen ein starker Charakter sein, der durchaus Schwächen haben darf, diese aber überspielt beziehungsweise kompensiert. Seine Stärken sowie das Anwenden seiner Stärken zum Schlechten gilt es unbedingt zu zeigen!

Dabei muss es sich ja nicht einmal um „Superschurken“, der die Weltherrschaft anstrebt, oder um einen Mörder handeln; auch ein Chef, ein Kollege oder ein Familienmitglied kann ein Widersacher des Helden und ein „Bösewicht“ sein.

Überlegen Sie, wen Sie in Ihrer Vergangenheit als böse empfunden haben und warum! Vielleicht gab es da einen Lehrer, der Sie im Mathe-Unterricht immer vorgeführt hat, weil er wusste, dass Sie zu den schwächeren Schülern zählen. Vielleicht gab es Mitschüler, Kommilitonen oder Kollegen, die andere physisch oder psychisch gemobbt, sie denunziert oder verleumdet haben. Und haben Sie selbst nicht sogar mal etwas gemacht, um jemand anderen bewusst zu ärgern oder zu verletzen? Wenn ja, warum? Weil er es „verdient“ hatte?

Auch wenn es mitunter schwer fallen mag, versuchen Sie sich immer in den Antagonisten hineinzuversetzen, seine Motivationen und Emotionen, seine Weltsicht zu verstehen. Viele Täter sind selbst Opfer ihrer Umstände, heißt es heute oft und da ist durchaus etwas Wahres dran.

Zugleich sollte man nicht den Fehler machen, einen Bösewicht als unbesiegbar darzustellen. Ein starker Bösewicht ist dem Helden anfangs immer einen Schritt voraus, er hat häufig viele Verbündete, er ist sich seines Widersachers bewusst und ahnt, wie der Held ihn besiegen will. Und er wartet nicht darauf, dass Held seinen Versuch unternimmt, sondern kommt ihm zuvor und zerstört ihn beinahe, bevor er zuschlagen kann.

Aber der Antagonist weist auch fast immer eine klare Schwäche auf, die oft in seiner Backstory begründet liegt und die der Protagonist zu guter Letzt selbst ausnutzen kann, um den Bösewicht zu besiegen. Vielleicht ist es nur seine Überheblichkeit, vielleicht ist es das mangelnde Vertrauen in seine Verbündeten, vielleicht auch die Schwäche für eine andere Person – all das kann den Bösewicht echter wirken lassen.

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