Das Durchbrechen der Vierten Wand

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Vor allem aus dem Theater bekannt ist die „Vierte Wand“, aber auch in Filmen, Serien und Romanen kommen sie und ihr Durchbrechen immer häufiger zum Einsatz. Das kann ein interessantes Stilmittel sein, wenn man sich als Autor im Klaren darüber ist, was man tut – und einen guten Grund dafür besitzt.

Lesen Sie hier, ob und wann es sich lohnt, die vierte Wand zu durchbrechen, und warum man damit als Autor sehr, sehr vorsichtig umgehen sollte!

Die Vierte Wand Foto
von Qole Pejorian

Die vierte Wand

Falls Sie sich fragen, was die vierte Wand ist, hier eine schnelle Begriffserklärung: Wenn Sie ins Theater gehen, besteht die Kulisse auf der Bühne üblicherweise aus maximal drei Wänden – Rückwand, linke Wand, rechte Wand. Sie als Zuschauer blicken in diese Kulisse durch die Vierte Wand hinein, die natürlich nicht zu sehen ist, aber doch in der Regel existiert, ein bisschen wie bei einem Verhörraum der Polizei: Sie sitzen außen und können durch den Spiegel ins Innere blicken, alles sehen und hören, doch aus dem Inneren des Raumes heraus nimmt man Sie nicht wahr, weiß nicht von Ihrer Existenz.

Es sei denn, man entscheidet sich dafür, dass sich die Figuren im Inneren der Außenwelt bewusst sind, Ihre Existenz anerkennen und das Publikum ansprechen, vielleicht sogar mit ihm interagieren können. Dann spricht man von dem Durchbrechen der Vierten Wand.

Mitunter geschieht das im Theater unabsichtlich, beispielsweise wenn ein Schauspieler auf das Klingeln eines Handys im Publikum reagiert, aber ein Autor (und Regisseur) kann sich auch in Filmen und Romanen gezielt dafür entscheiden.

Einsatzmöglichkeiten

Ein recht neues, prominentes Beispiel für das ständige Durchbrechen der Vierten Wand ist die TV-Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey, in welcher der Protagonist immer wieder direkt in die Kamera guckt und spricht, das ein oder andere Detail erklärt und den Zuschauer an seinen Gedankengängen teilhaben lässt.

Einen Mittelweg wählen die so genannten „Mockumentaries“ wie etwa Stromberg oder Parks & Recreation, die ihre Figuren als Talking Heads mit einem Kamerateam sprechen lassen. In Romanen ist das Durchbrechen der Vierten Wand schwieriger und seltener, kommt aber mitunter vor, wenn sich die Figuren bewusst sind, nur in einem Buch zu existieren.

Am gebräuchlichsten ist das Durchbrechen der Vierten Wand in Komödien oder Satiren, da hiermit Pointen gesetzt werden können, indem sich die Figuren zum Beispiel gegenüber dem Zuschauer widersprechen. Vereinzelt anzutreffen ist es auch in Dramen, meistens in Verbindung mit einem Ich-Erzähler, aber so gut wie nie in Krimis, Thrillern.

Das Durchbrechen

Was man sich vor Augen halten muss: Ist die Vierte Wand einmal durchbrochen, gibt es kein Zurück und es ist vor allem beim Film für den Zuschauer fast unmöglich, die gezeigte Welt weiterhin als real wahrzunehmen. Es kann ein starkes und sinnvolles Mittel sein, den Zuschauer oder Leser und seine Gefühle direkt anzusprechen, ihn persönlich stärker in die Geschichte hereinzuziehen, ihn zum Nachdenken anzuregen – oder ihm einfach nur ein paar nette Gags zu präsentieren.

Wie bei so vielen anspruchsvollen und auffälligen Stilmitteln, deren Einsatz meistens sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert, ist Anfängern eher davon abzuraten. Wenn das Durchbrechen der Vierten Wand funktioniert, ist es großartig, doch zu wissen, wann es funktioniert, erfordert viel Übung.

Einsteiger haben in der Regel mit der Konzentration auf eine stimmige Geschichte und komplexe Figuren bereits genug zu tun, um auch noch genug Gedanken auf derartige „Gimmicks“ aufwenden zu können. Falls Sie aber eine geniale Idee haben, die nur auf diese Weise funktioniert: Versuchen Sie Ihr Glück!

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