Das wichtigste Werkzeug eines Drehbuchautors

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Auch wenn wir schon mehrere Artikel über das Thema geschrieben haben, kommt immer mal wieder die Frage auf, woher man als Autor bzw. speziell als Drehbuchautor seine Inspiration bekommt – und ob es nicht doch so etwas wie Talent gibt. Und unsere Antwort darauf ist eigentlich immer die gleiche, aber weil es offenbar so ein wichtiges Thema ist, möchten wir es an dieser Stelle noch einmal ausführen: Denn das wichtigste Werkzeug eines Drehbuchautors, das maßgeblich über sein Talent und Inspiration entscheidet, sind für uns: seine Augen.

Werkzeug Drehbuchautor Foto
von orangeacid

Augen auf!

Das wichtigste Element eines Drehbuchs sind nicht etwa herausragende Dialoge oder eine spannend erzählte Geschichte – die natürlich auch unbedingt dazu gehören -, doch der wichtigste Bestandteil sind zunächst einmal ganz klar die Beobachtungen.

Beobachtungen aus unserer realen Welt, mit denen sich Ihre Leser und später hoffentlich auch Zuschauer identifizieren können, die sie wiedererkennen. Beobachtungen, die etwas über unser Leben, unsere Gesellschaft aussagen, die frisch und neu, zugleich jedoch glaubwürdig und echt wirken. Beobachtungen sind es, die Charaktere lebendig wirken lassen, die Dialoge flotter und Action spannender machen.

Nichts ist für einen Drehbuchautor so wichtig wie die Augen offen zu halten, nicht mit Scheuklappen durch die Welt zu gehen und immer wieder Ausschau nach neuen Beobachtungen zu halten. Sich für andere Menschen zu interessieren, zu sehen, was sie tun, und sich zu fragen, warum sie tun, was sie tun.

Notizblock und Stift

Ganz elementar ist es daher für uns, als Drehbuchautor immer einen kleinen Notizblock und einen Stift oder notfalls auch ein Smartphone mit Notizblock-Funktion bei sich zu führen und Beobachtungen sofort aufzuschreiben. Nicht im Kopf behalten, nicht später aufschreiben, sondern sofort.

Das hat mehrere Gründe: Erstens vergessen Sie einen Großteil Ihrer Beobachtungen innerhalb kürzester Zeit wieder, auch wenn Sie sie noch so gut einprägen mögen. Zweitens benötigt Ihr Gehirn „Freiraum“, um wirklich Platz für neue Ideen, Gedanken und Beobachtungen zu haben – wenn Ihnen noch die letzten vier Ideen im Kopf herumspuken, können sich neue Gedanken nur schwerlich bilden. Darüber hinaus fühlt sich Ihr Gehirn „belohnt“, wenn sie seine Einfälle auf’s Papier bringen, was den Ansporn für neue Beobachtungen erhöht. Und schließlich setzt auch ein gewisser Trainingseffekt ein: Beim ersten Mal fühlt es sich vielleicht noch ungewohnt an, beim zehnten oder zwanzigsten Mal passiert es schon fast von alleine ohne Ihr Zutun.

Und was sind Beobachtungen, die es wert sind, notiert zu werden? Alles, was Ihnen in den Sinn kommt! Es muss nicht immer eine große Erkenntnis sein, die Sie plötzlich die Welt in einem anderen Licht sehen lässt, schon kleine Details reichen vollkommen aus: Wie intensiv jemand sein Wechselgeld nachzählt. Wie ein Mann mit seinem Hund redet als wäre er sein Kind. Wie sich jemand an der Kasse vordrängelt, nur um sich dann beim Bezahlen ewig Zeit zu lassen.

Aus jedem Einfall und jeder Beobachtung kann eine Geschichte, ein Charakter, eine Seite eines Charakters enstehen – oder auch gar nichts. Wichtig ist nur, dass Sie die Augen offen halten und sich auch von vermeintlich nutzlosen Einfällen nicht irritieren lassen.

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