Der Drehbuchautor am Set

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Auch wenn wir uns in erster Linie mit den Infos über das Drehbuchschreiben an Anfänger und Fortgeschrittene widmen, wollen wir heute mal einen Abstecher in die Gefilde machen, von denen die meisten Schriftsteller nur träumen: Wie verhält sich ein Drehbuchautor an seinem Filmset?

Was sollte man beachten, was darf man sagen und was sollte man sich besser verkneifen? Ist es überhaupt üblich, dass Drehbuchautoren ans Set kommen?

Lesen Sie hier alle Antworten!

Drehbuchautor Filmset Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/comedynose/

Als Autor ans Film-Set: Glückssache!

Um die letzte Frage als erstes zu beantworten: Nein, bei deutschen Filmproduktionen ist es nicht üblich, dass ein Drehbuchautor dauerhaft am Set ist. In der Regel ist es jedoch möglich, zumindest zwei, drei Tage bei den Dreharbeiten der Crew und den Schauspielern mal über die Schulter zu schauen.

Abhängig ist das unter anderem vom Regisseur des Films: Hat er wenig Selbstvertrauen und das Gefühl, schnell die Kontrolle zu verlieren, kann so ein Drehbuchautor am Set für ihn schon störend sein, schließlich wäre es ja möglich, dass er die Dinge gänzlich anders sieht. Die meisten Regisseure sollten allerdings kein Problem damit haben, den Drehbuchautor mal kurz am Set zu begrüßen, wenn es der Zeitplan zulässt.

Dennoch sollten Sie sich, auch wenn Sie mal länger am Set sind, in der Regel zurückhalten und Regisseur, Crew und Schauspieler ihre Arbeit machen lassen. Sofern Sie nicht gefragt werden, haben Sie als Drehbuchautor bei den Dreharbeiten schlicht und ergreifend nichts zu melden; Sie haben das Drehbuch geschrieben, herzlichen Glückwunsch, aber das war’s dann auch!

Falls Sie an einen freundlichen, offenen und selbstbewussten Regisseur geraten, der Sie nach Ihrem Input fragt, können Sie aber natürlich Ihren Gedanken (vernünftig) freien Lauf lassen.

Probleme am Set

Und was ist, wenn Sie am Set sehen, dass die Realisierung so gar nicht Ihren eigenen Vorstellungen beim Schreiben entspricht?

Das ist ärgerlich, aber auch dann halten Sie unter normalen Umständen die Klappe, denn so traurig das für Sie zwar sein mag: Es geht sie leider nichts an. Wenn Sie eine gute Verbindung zu Ihrem Produzenten haben, können Sie mit ihm vorsichtig über Ihre Bedenken sprechen, doch dabei gilt es, sanft und bedacht vorzugehen, um niemandem auf die Füße zu treten.

Sehen Sie’s positiv: Wenn der Film am Ende dennoch gut aufgenommen wird, haben Sie alles richtig gemacht. Wird er verrissen, können Sie es immer noch auf die schlechte Regie, die Schauspieler und den Produzenten schieben. Ob das stilvoll ist, ist natürlich eine andere Frage…

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One comment

  1. Ist „Pech gehabt“ wirklich das, was Sie jungen Drehbuchautoren vermitteln wollen? Sie haben zwar Recht – als Autor am Set ist man in den meisten Fällen nicht sonderlich willkommen. Denn dort werden gern Dialoge, an denen man Stunden oder Tage gefeilt hat, mit einem Achselzucken geändert. Wenn am Ende die Szene in sich nicht mehr stimmt, lag’s aber am Drehbuch. Es ist traurig, wie wenig Respekt unserer Arbeit oft entgegengebracht wird. Das ist kein Pech, sondern eine Unart, die oft zu schlechten Ergebnissen führt.