Die Angst vor der geklauten Idee

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Viele Autoren haben Angst, Ihr Werk einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren. Die einen, weil sie an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln und etwaiges negatives Feedback befürchten (das übrigens auch die besten Buchautoren der Welt bekommen), die anderen, weil sie glauben, jemand könne ihnen Ihre Idee klauen, sie übernehmen, daraus einen eigenen Roman schreiben und es im schlimmsten Fall sogar zum Bestseller bringen.

Doch nur wenig ist so unberechtigt wie die Angst vor der geklauten Idee!

Geklaute Idee Foto
von ieshraq

Alles wurde schon gesagt – mehrfach!

Denn die ganze, für manche vielleicht traurige, Wahrheit lautet: Jede Idee war schon einmal da. Nein, das ist falsch: Jede Idee war schon mehrfach da. Es gibt weder in Hinblick auf Bücher noch auf Filme wirklich neue Ideen, denn alles wurde bereits unzählige Male gesagt und geschrieben. Man kann sogar noch weiter gehen und sagen: Jede Idee setzt sich nur aus mehreren alten Ideen zusammen und ist somit im Grunde nichts anderes als ein erweitertes, im besten Fall leicht verbessertes Plagiat.

Wenn ein Roman oder Film heutzutage als originell bezeichnet wird, heißt es nicht, dass zuvor noch nichts in dieser Art da war, es bedeutet nur, dass sich entweder niemand mehr daran erinnert, die vorigen Ideen nicht verwirklicht worden sind, oder aber der Autor die Idee so geschickt verfremdet hat, dass sie „frisch“ wirkt, aber nicht wirklich neu ist.

Das Plagiat in der Praxis

Zugegeben: Das ist natürlich nur Theorie, denn schließlich gibt es in der Praxis immer mal wieder Fälle, in denen sogar bekannten Autoren Plagiarismus vorgeworfen wird. Doch nur in den allerwenigstens Fällen lässt sich das belegen und nachweisen, denn tatsächlich ist es viel häufiger so, dass zwei Autoren die gleiche Idee hatten, aber nur eines der beiden Werke erfolgreich war – und der „unterlegene“ Autor ein Ventil sucht, seiner Enttäuschung freien Lauf zu lassen. Ausnahmen bestätigen fraglos die Regel, auch wenn sich Ideen an sich aus rechtlicher Sicht ohnehin nicht schützen lassen.

Manche Autoren haben jedoch nicht nur Angst vor dem geistigen Diebstahl durch andere Autoren sondern auch durch die Verlage und Produzenten: Wenn ich einem Buchverlag oder Filmproduzenten kostenlos meine Idee vorstelle, wie kann ich mir dann sicher sein, dass er damit nicht zu einem anderen, erfahreneren Autor geht und sie von ihm schreiben lässt?

Kurz und knapp, Sie können sich nicht sicher sein, aber versetzen Sie sich in die Lage der Gegenseite: Ergibt es Sinn, einem Autor, der eine Idee erschaffen hat und sie auch umsetzen will, ihm diese wegzunehmen und dafür einem anderen Autor zu geben? Würde nicht ein vollkommen anderes Werk dabei herauskommen? Und, anders betrachtet, wäre es dann überhaupt ein Plagiat, wenn dieser Autor aus „Ihrer“ Idee sein eigenes Buch strickt, das beim besten Willen nicht identisch mit Ihrer eigenen Vision sein kann?

Es ist nicht abzustreiten, dass es auch bewussten Plagiarismus unter Autoren und Schriftstellern gibt, doch für uns ist das kein Grund, seine Ideen in einen Tresor einzusperren und nicht mit der Welt zu teilen. Egal ob es sich um Buchverlage, Produzenten oder Internet-Foren handelt: Die Chancen, dass Ihnen jemand Ihre Idee wegnimmt und sie erfolgreich als seine eigene ausgibt, sind marginal.

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