Die Kunst des Anfangs

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Dem ersten Satz wird in einem Roman eine enorme Bedeutung zugeschrieben, genauso wie der ersten Szene – oder sogar nur der ersten Einstellung – in einem Film. Manche Autoren grübeln wochenlang, wie Sie ihr Buch oder Drehbuch am besten beginnen und schieben das Schreiben an sich dadurch immer und immer wieder hinaus. Das ist falsch – und doch irgendwo richtig.

Lesen Sie hier, wie man die ersten Sätze und Szenen, also die Anfänge, am besten schreibt!

Anfang schreiben Bild
von katerha

Der Anfang zählt!

Die Bedeutung eines guten Anfang ist tatsächlich nicht zu unterschätzen: Wenn Sie einen Film gucken, entscheiden Sie unbewusst innerhalb der ersten zehn Minuten, ob er Ihnen gefällt oder nicht. Und auch bei einem Roman fällt die Entscheidung oft innerhalb der ersten ein, zwei Kapitel, denn wie im echten Leben zählt auch bei Büchern und Filmen der erste Eindruck ganz enorm. Und gerade, wenn Sie Ihr Werk verkaufen wollen, gilt es, den Lektor oder Redakteur möglichst schnell zu fesseln – nicht erst nach zwanzig Seiten, denn dann befindet es sich längst in Ablage P.

In einen guten Anfang sollten Sie daher tatsächlich viel Zeit investieren, doch das muss Sie nicht zwangsläufig vom Schreiben abhalten: Es ist nicht unüblich, zunächst die gesamte Geschichte zu schreiben und zu guter Letzt den Anfang (ebenso wie das Ende) zu überarbeiten, neu zu schreiben oder überhaupt erst zu schreiben.

Warum? Weil fast jeder Autor erst während des Schreibens die Sprache seiner Figuren wirklich im Detail kennenlernt; die ersten Kapitel gelingen selten auf Anhieb. Deshalb ist auch das lange Überlegen im Vorfeld unnötig, es hält Sie nur davon ab, beim Schreiben eben jenen Lerneffekt zu erfahren.

Was ist ein guter Anfang?

Schon schwieriger ist die Frage, was genau eigentlich ein guter Anfang ist, weil es viele verschiedene Antworten darauf geben kann. Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, möglichst schnell in die Geschichte einzusteigen: Ein eröffnender Dialog, ein Konflikt, der die Figuren direkt einführt, ohne zwangsläufig etwas mit dem Hauptplot zu tun zu haben, ist häufig das Mittel der Wahl, weil es Spannung erzeugt und die Charaktere etabliert.

Insbesondere Filme starten jedoch häufig auch mit einer Action-Szene, im Falle von Action-Filmen oder Thrillern, oder mit einem guten Gag, im Falle von Comedys, um einen Tonfall für das Werk zu etablieren. Denken Sie an James Bond, dessen Filme fast immer mit einer langen, eigenständigen Action-Sequenz beginnen, welche die Zeit seit dem letzten Film überbrückt. Action-Szenen und Gags sind auch deshalb beliebt, weil sie die wichtigen Kompetenzen des Protagonisten schnell unterstreichen können.

Der Anfang ist darüber hinaus auch in gewisser Weise ein Versprechen an den Leser: Was er auf den ersten gut zwanzig Seiten liest, muss repräsentativ sein für das, was auf den weiteren hundert bis fünfhundert Seiten folgt. Er muss das Gefühl bekommen, dass er seine begrenzte Zeit mit dem Lesen sinnvoll investiert.

Das ist, zugegeben, nicht einfach: Direkt in die Story zu springen, ohne die Figuren zuvor in aller Ruhe etabliert zu haben, fällt auch den besten Autoren nicht immer leicht. Ein simpler Trick kann es daher sein, zunächst ein eher langsames Kapitel zu schreiben, in dem Sie für sich selbst den Tonfall und die Stimmen Ihrer Charaktere etablieren, im zweiten Kapitel dann schnell zur Sache kommen – und anschließend das erste Kapitel schlichtweg streichen. Das fällt nicht jedem leicht, macht Bücher und Romane im Nachhinein aber häufig besser!

Fragen Sie sich nach dem Schreiben des Anfangs einfach selbst: Hätten Sie als Leser das Gefühl, in den ersten Minuten genügend Anreize zu bekommen, das Buch weiterzulesen, und zu verstehen, wohin die Reise geht? Wenn nicht, kommen Sie schneller zur Sache!

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