Die Schreibübung der Woche

Anzeige
In Kooperation mit Drehbuch schreiben wollen wir Ihnen von nun an regelmäßig ein paar Übungen zum Buch schreiben an die Hand geben, mit denen Sie Ihren Schreibstil, Ihre Kreativität sowie Ihre Stoffentwicklung und das Schreiben von Dialogen verbessern können.

Wir wollen Sie dabei vor verschiedene Aufgaben stellen: Mal gilt es, eine eher ungewöhnliche Prämisse in eine Kurzgeschichte zu verwandeln, mal werden Sie eine reine Dialogszene schreiben müssen, ein anderes Mal eine strukturell nicht stimmige Story oder Situation zu korrigieren.

Ein Buch schreiben Übung Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/dullhunk/

Ein Buch schreiben: Übung #1

Für unsere Schreibübungen gelten folgende Regeln:

  • Länger als ein bis zwei Word-Seiten sollte das Ergebnis nicht sein.
  • Wir trainieren auch schnelles Schreiben, also nehmen Sie sich nicht viel mehr als zwei bis drei Stunden Zeit.
  • Natürlich können Sie sich von anderen Büchern und Romanen inspirieren lassen, aber einfach nur eine bekannte Situation nachzuerzählen oder zu parodieren, ist keine große Kunst.
  • Nehmen Sie die Übung ernst, aber haben Sie Spaß dabei!

Unsere Vorgabe für die erste Übung zum Buch schreiben ist: Ein 25-jähriger Mann sitzt in einem Klassenraum, muss plötzlich würgen und spuckt einen Finger vor sich auf den Tisch.

Was ist passiert? Woher kommt der Finger? Ist er echt oder eine Fälschung? Hat er ihn wirklich hochgewürgt oder tut er nur so? Weiß er, woher der Finger kommt oder überrascht es ihn? Ist es eine Horror-Szene, ein Thriller, eine Comedy, eine Satire?

Wer befindet sich sonst noch im Klassenraum und wie reagiert sein Umfeld darauf? Lachen seine Mitschüler ihn aus oder sind sie erschreckt, bemitleiden sie oder reagieren sie gar genervt? Und was macht ein 25-jähriger Mann überhaupt in einem Klassenraum?

All diese Fragen gilt es im Laufe der Übung zu beantworten. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und lassen Sie uns an Ihren Resultaten teilhaben! Wir präsentieren im Laufe der nächsten Wochen die besten Einsendungen und gehen kritisch, aber auch konstruktiv mit Ihren Beiträgen um.

Nun aber viel Spaß mit unserer allerersten Übung zum Buch und Drehbuch schreiben!

Check Also

Warum Autoren scheitern Bild

Fünf Gründe, warum die meisten Autoren scheitern

Die Idee war großartig – eine Geschichte, wie sie noch nie zuvor erzählt wurde – ...

4 comments

  1. Mit einem kräftigen Schwung knallte die Tür gegen die Wand. Patrizia zuckte zusammen und der Lehrer sowie alle anderen Schüler starrten auf den Mann, der lässig ins Klassenzimmer geschlendert kam. Er sah verdammt gut aus und sie hätte jetzt sicherlich verträumt geseufzt, wenn da nicht dieses riesige Maschinengewehr auf seiner Schulter gewesen wäre.

    Während keiner wagte sich zu bewegen, strebte der junge Mann auf den freien Platz von Selena zu, der direkt neben ihrem ganz hinten im Raum. Es setzte sich und grinste die Klasse an. Mit immer größer werdendem Entsetzten betrachtete sie das viele Blut auf seiner Kleidung. Was zum Teufel passierte gerade? Sie schaute nach vorne. Herr Arnicke versuchte sichtlich an Fassung zu gewinnen und man merkte ihm an, wie angespannt er war. Sobald er sich räusperte fixierten ihn die Augen des Mannes und dessen Grinsen erlosch. Herr Arnickes Blick wurde hart.

    „Klasse, verlasst bitte den Raum!“

    Der Mann sprang förmlich aus dem Stuhl und richtete sein Maschinengewehr auf Herrn Arnicke.

    „Hier geht Niemand irgendwohin.“

    Der relativ kleine Herr Arnicke war ziemlich bleich geworden, als das Maschinengewehr auf ihn gerichtet wurde und man hörte ihn bis hinten in den Raum, als er schwer schluckte. Er hob die Hände und versuchte mit eindringlicher Stimme auf den Mann einzureden.

    „Wenn Sie uns verraten was Sie hier wollen und wer Sie sind, können wir das vielleicht ganz in Ruhe besprechen. Bitte, Herr …?“

    „Raller.“

    „Also Herr Raller, was wollen Sie hier?“

    Der soeben als „Herr Raller“ deklarierte Verrückte lies sich wieder auf den Platz neben Patrizia sinken. Sie schickte ein Stoßgebet in den Himmel, dass er sie hoffentlich nicht erschießen würde und verfluchte die blöde Selena, dass Sie heute wieder nicht zur Schule gekommen war, sodass ausgerechnet der Platz neben ihr frei war. Plötzlich merkte sie, wie er sie von der Seite anstarrte. Während er den Blickkontakt aufrecht hielt, fing er langsam an zu sprechen.

    „Ich hab gehört, dass hier in der Klasse nen bisschen was schief läuft.“

    Patrizia spürte wie ihr Inneres sich zusammen zog und schwer nach unten sackte. Ihr wurde schlecht. Er schaute sie immer noch an und hatte ihre Reaktion gesehen.

    „Ich hab gehört dass hier Jemand ziemlich fertig gemacht wurde. Dass hier Jemand von seinen Mitschülern ins Klo gesteckt und misshandelt wurde. Selena und ich sind Freunde geworden, wisst ihr. Sie hat mir viel von Euch erzählt.“

    Seine Augen klebten an Patrizias Gesicht fest. Sie schaute sich um und entdeckte wo sie hinblickte verängstigte, schuldbeladene Gesichter. Selbst Herr Arnickes Gesicht wirkte betroffen und zu ihrer Empörung sogar ein bisschen vorwurfsvoll. Na toll, jetzt war natürlich alles ihre Schuld! Patrizia verschränkte die Arme vor der Brust und schnaubte.

    „Und was willst du jetzt machen? Uns alle umbringen?“

    Sie hörte von mehreren Mitschülern ein zischendes Einatmen, als sie aussprach was im Grunde alle dachten. Trotzdem fiel ihr ein Stein vom Herzen, als er antwortete.

    „Nein. Ich will das hier machen.“

    Daraufhin steckte er sich zwei Finger tief in den Rachen. Sie versuchte in Deckung zu gehen, doch es ging zu schnell. Ein Strahl von rotem Gebröckelten brach über sie herein. Als er fertig war saß sie auf ihrem Stuhl über und über voll mit Blut und Fleischstückchen. Sie schaute sich ihre klebrigen Hände an. Während er sein Maschinengewehr schulterte und wieder nach vorne ging.

    „Was zum Teu…“

    Und dann begann sie hysterisch zu kreischen, vor ihr lag ein Finger. Er hatte gerade einen Finger ausgekotzt. Sie schaute an sich herab und konnte gar nicht mehr aufhören zu schreien.

    Der Mann grinste wieder.

    „Sie hat mir alles übers Internet erzählt und nachdem ich sie dann essen durfte, wollte sie gerne das du weißt das du ihr Blut an den Händen hast. Ich denke das hab ich gut umgesetzt“

    Während immer mehr Schüler nach ihren Handys fischten, machte Herr Raller sich daran aus dem Raum zu gehen und die Tür ganz leise hinter sich zu schließen.

  2. Es war der zweite Schultag nach den Sommerferien.
    Die Klasse 5b der Konrad-Adenauer-Schule stellte sich nachdem der Gong ertönte, ordnungsgemäß vor dem Klassenzimmer auf.
    Frau Schmidt, die Englischlehrerin erschien, aber nicht wie gewohnt alleine, sondern in Begleitung eines Herrn.
    Er wurde im Folgenden der Klasse als Mr. Green aus London vorgestellt. Der 25jähre würde hier ein Jahr als Referendar verbringen.
    Mr. Green nahm in der letzten Reihe Platz, direkt neben Oskar.
    Oskar war bekannt für seinen derben Humor und seine Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Mitschülern.
    Der Unterricht begann. Oskar war sichtlich gelangweilt und begann zunächst provokativ in der Nase zu bohren.
    Als Frau Schmidt das sah ermahnte sie ihn und Androhung eines Klassenbucheintrages.
    Mr. Green jedoch schien hierüber sichtlich amüsiert, denn auch er schien nicht begeistert vom Frau Schmidts Lehrstil begeistert zu sein.
    Oskar hatte das bemerkt und fragte Mr. Green, ob er Lust auf eine Wette hätte.
    Die Wette wäre, wer es schaffe seinen Zeigefinger so tief und so lange wie möglich in den Mund zu stecken, ohne einen Würgereiz zu bekommen.
    Zunächst war Oskar an der Reihe. Er steckte sich den Zeigefinger bis zum Anschlag in den Mund. Nach ca. drei Sekunden musste er unter einem lauten Würgegeräusch abbrechen.
    Frau Schmidt war nun außer sich und Oskar bekam einen Klassenbucheintrag.
    Mr. Green musste sich sein Lachen verkneifen.
    Nun war Mr. Green an der Reihe. Als sein Zeigefinger in seinem Mund war, stieß Oskar mit voller Wucht seine Faust in die Rippen.
    Durch den Schock zuckte Mr. Green zusammen und biss vor Schreck zu.
    Ein unbeschreiblicher Schmerz durchzuckte seine Hand.
    Er verschluckte sich und musste sich übergeben.
    Vor ihm auf dem Tisch wurde es rot vor Blut und in mitten der Blutlache lag sein Finger.
    Die Klassen war entsetzt. Frau Schmidt wollte noch etwas sagen, fiel jedoch beim Anblick der Blutes in Ohnmacht.
    Oskar saß zufrieden auf seinem Stuhl in grinste.

    • Klense, so hieß der schräge Vogel der jetzt grinsend neben ihm saß. Eigentlich hieß er ja Phillip, aber alle nannten ihn nur Klense, so hieß er mit Nachnamen und so hatte er sich auch vorgestellt.
      Klense war der größte Spaßvogel, den man sich nur vorstellen konnte und er ließ keine Gelegenheit ungenutzt um die Klasse zum lachen zu bringen. Dabei war er schon 25, womit er weit über dem Klassendurchschnitt lag.
      Er hatte ihnen viele verrückte Geschichten darüber erzählt, woher er kam und wieso er mit 25 noch in der 11. Klasse war. Das Problem war nur, man wusste nicht welche davon wahr war. Aber eigentlich war das auch nicht so wichtig, denn alle hatten ihn gern und er hatte das Talent, die ganze Klasse super fest zusammen zu schweißen.
      Heute jedoch schien irgendetwas mit ihm nicht zu stimmen. Die ganze Zeit machte er seltsame Schluckbewegungen und auch seine gute Laune hatte er heute wohl zu Hause gelassen.
      In der dritten Stunde bei Herrn „Bombe“ schien er es überhaupt nicht mehr aushalten zu können. Er lief schon ganz rot an und Tränen traten ihm in die Augen. Doch außer mir hatte es keiner bemerkt, dann alle schauten konzentriert zu Herrn „Bombe“.
      Herrn „Bombe“ hatte seinen Spitznamen, weil er furchtbar schnell Rot anlief bevor man überhaupt ahnen konnte worüber er sich schon wieder so sehr aufregte. Meistens wahren es irgendwelche Kleinigkeiten, die sonst niemandem aufgefallen wären, aber Herr „Bombe „ Fand sie alle. Deshalb hüteten sich alle in seinem Unterricht auch nur den kleinsten Fehler zu begehen. Denn jeder wusste , dass das schwerwiegende Folgen mit sich bringen konnte.
      Dieses Mal jedoch würde die Bombe wohl platzen, denn just in diesem Moment hatte Herrn „Bombe“ Klense entdeckt und wurde sofort knall Rot. Mit hoch erhobenem Haupt und einem bis in die Haarspitzen roten Kopf schritt er auf den armen Klense zu, dem offensichtlich etwas im Hals feststeckte und der fast aussah wie ein sterbendes Kaninchen.
      Mit einem Klacken seiner Hacken und einem wütenden Blick, der vor Herablassung triefte, knallte er dem Klense ein Heft auf den Tisch das es nur so schallte. Plötzlich gab es ein krächzendes Geräusch, dass allen durch Mark und Bein ging, worauf ein ruck folgte. Dann war es totenstill in der Klasse, denn vor Klense auf dem Heft des Lehrers, lag ein Finger.

      Keine zwei Sekunden später durchbrach ein lautes „Endlich“ die Stille.
      „Der hat echt tief festgesteckt, ich dachte ich ersticke.“
      Herrn „Bombe“ schaute Klense entgeistert an und auch seine Gesichtsfarbe hatte von dunkelrot zu aschfahl gewechsellt.
      Da blickte ihm Klense unschuldig ins Gesicht und fragte: „ Ist ihnen nicht gut Sir?“
      Schallendes Gelächter brach aus und Herrn „Bombe“ wäre fast nach hinten umgekippt, hätte nicht der Heinz vorausschauend einen Stuhl hinter den „Bombe“ geschoben der mit einem kräftigen Plumps darauf landete.

  3. Entsetzt starrte er auf den Boden. Da war er wieder, der Finger. Sollte er jetzt erschrocken oder erleichtert sein? Er wusste es nicht. Er stand vom Stuhl auf, ging in die Knie und betrachtete das Erbrochene vor ihm auf dem Laminatboden. Ein Glück, dass die Schüler nicht mehr da waren und er alleine in der Klasse war. Sie hätten unweigerlich Fragen gestellt, direkt und unverblümt, wie es nun mal die Art von Kindern ist. Was ist das, Herr Lehrer? Warum müssen Sie speiben, Herr Lehrer? Ist das ein Finger? Iiiiiiieeh!

    Vorsichtig stupste er das fleischfarbene Etwas an, das in den Resten seines Frühstückskaffees lag. Es sah noch genauso aus, wie in der Früh, als er es geschluckt hatte. Kein Wunder, dachte er, vor sich selbst die Augen verdrehend, die Magensäure konnte das Ding ja nicht angreifen. Es war ja aus Plastik oder aus Silikon oder aus was immer auch für ein Material.

    Diese vermaledeite Katze, dachte er, die war an allem Schuld. Er war ja dagegen gewesen, dass sie ins Haus kam, aber nein, das Viech hatte unbedingt her müssen. Frau und Tochter hatten sie ja gewollt, da war er chancenlos gewesen. Süß war sie ja, aber noch so schlimm, obwohl sie bereits ein Jahr alt wurde.

    Sein Fehler war es nicht, dass das Viech die Puppe erwischt hatte. Hundertmal hatte er seiner Tochter schon gesagt, räum die Puppen weg, die Katze knabbert sie an! Unzählige Barbies hatten zerkaute Beine oder schon keine Füße mehr. Jetzt war das Allerheiligste drangewesen, die beinahe lebensgroße Babypuppe seiner Tochter.

    Er hob den Finger hoch und hielt zwischen Daumen und Zeigefinger, die anderen Finger weit abgespreizt. Heute Früh, als Frau und Tochter beim Frühstückstisch saßen, hatte er das Viech erwischt, wie sie daran knabberte. Schsch, und weg war sie gewesen, hatte genau gewusst, dass das verboten war. Aber zu spät, der Finger war fast abgekaut gewesen. Ein Geräusch hatte ihn zusammenfahren lassen, während er das Malheur betrachtet hatte. Der Schreck war dafür verantwortlich gewesen, dass der Finger abgerissen war.

    Papa? Was machst du da? Was hast du in der Hand? Ach nichts, ein Stück Soletti, das die Katze entdeckt hat. Bei den Worten war seine Hand automatisch zum Mund gegangen, er selbst hatte es so glauben wollen. Der Finger zwischen den Lippen, einmal eingeatmet, vor Schreck geschluckt und er war verschwunden gewesen.

    Besser vorne als hintenrum raus, dachte er, als er den Finger beim Waschbecken abwusch. Allerdings hätte er ihn dann ohnehin nicht entdeckt. Jetzt war er im Erklärungsnotstand, er musste ihnen den Finger zeigen, anders konnte er nicht, das war ihm klar. Seine Tochter würde heulen, seine Frau würde ihm die Schuld geben, wie immer, immer öfter in letzter Zeit. Es lief nicht so optimal momentan, kein Wunder, sagte sie immer. Ungeplant schwanger, sie gerade mit der Lehre fertig, er beim Zivildienst, geheiratet, zusammengezogen. Jetzt war er Volksschullehrer und am Nachmittag mit seiner Tochter daheim, während sie Vollzeit arbeitete. Sie machte Karriere, er war „nur“ Lehrer, so der ausgesprochene oder stumme Vorwurf seiner Umgebung. In der Luft machte er mit der freien Hand Anführungszeichen und streckte dabei Grimassen schneidend den virtuellen Nörglern die Zunge raus. Mit fünfundzwanzig durfte man noch kindisch sein, rechtfertigte er sich vor sich selbst, als er den Finger abtrocknete.

    Er liebte seinen Job und sah sich stolz im Klassenzimmer um, während er zum Lehrertisch zurückging. Dann stellte er seine Tasche vom Boden auf den Tisch, kramte seine Geldbörse hervor und verstaute den Finger sorgfältig im Münzfach. Seufzend packte er ein und machte sich bereit, die Schule zu verlassen, um seine Tochter vom Kindergarten abzuholen. Er würde sich etwas einfallen lassen, irgendeine Räubergeschichte, bei der der Finger abgebissen worden war, ein Einbrecher, der sich zur Verteidigung gegen die Kampfkatze die Puppe vorgehalten hatte. Das würde sie von ihrem Schmerz ablenken, hoffte er, als er die schwere Eingangstür hinter sich zufallen ließ und in Richtung Kindergarten abbog.