Drehbuch: Der letzte Schliff

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Bevor wir in Kürze die vielen interessanten Beiträge zu unserer ersten Drehbuch-Übung auswerten, soll es heute zunächst noch um ein anderes Thema gehen: Den letzten Schliff.

Denn nach dem Überarbeiten und Kürzen aber noch vor der Abgabe Ihres Drehbuchs steht unbedingt der letzte Schliff, in dem Sie noch einmal jedes einzelne Wort auf die Probe stellen und versuchen, den Rhythmus der Geschichte zu perfektionieren.

Lesen Sie hier, worauf Sie beim letzten Schliff, dem „Polish“, besonders achten sollten.

Drehbuch Schliff Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/amagill/

Drehbuch: Der Feinschliff

Grundsätzlich sollte Ihr Drehbuch vor dem Feinschliff im Grunde fertig sein: Die Geschichte muss von vorne bis hinten stehen, sämtliche Logiklöcher müssen geschlossen und alle Figuren klar definiert und erkennbar sein.

Es ist zu diesem Zeitpunkt quasi vorzeigbar oder „abgabefertig“, aber mit ein paar kleinen letzten Veränderungen können Sie noch einen Tick mehr aus einzelnen Szenen und Dialogen herausholen.

Schwerpunkt Dialoge: Großes Augenmerk sollte dabei vor allem auf Letzterem liegen, denn oft sind es die Dialoge, bei denen mit kleinen Variationen am meisten Verbesserungspotential besteht – zumal es Lektoren und Redakteure geben soll, die nur die Dialoge überfliegen, um ein Drehbuch schnell einschätzen zu können. Lesen Sie daher sämtliche Dialoge noch einmal laut für sich, gerne auch mit Betonung, um etwaige Stolpersteine zu entdecken. Lösen Sie sich dabei aber auch von dem bereits Geschriebenen und versuchen Sie, noch Alternativen zu finden!

Szenenübergänge: Ebenfalls sehr wichtig sind gelungene Übergänge zwischen den einzelnen Szenen – wirken die holprig, kann man sich in puncto Fluss der Geschichte viel kaputt machen. Versuchen Sie, Szenen mit einem kleinen Höhepunkt enden zu lassen und erst zu spannenden oder lustigen Momenten in die nächste Szene einzusteigen.

Schöne Szenenübergänge sind auch das Spiegeln von Blicken oder das Wiederholen von Begriffen / Sätzen oder aber das Konterkarieren von zuvor Gesagtem. Oft (vielleicht zu oft) endet beispielsweise eine Szene mit „Ich werde nie wieder eine Kirche betreten“ und in der nächsten Szene findet sich die Figur unmittelbar in einer Kirche wieder.

Die ersten zehn Seiten: Von besonderer Bedeutung sind darüber hinaus beim Feinschliff Ihres Drehbuchs die ersten zehn bis zwanzig Seiten, also die ersten beiden Sequenzen oder der erste Akt, denn häufig ist es tatsächlich nur dieser, der von Lektoren und Redakteuren gelesen wird. Verständlich, denn wer will schon anderthalb Stunden in das Lesen eines Drehbuchs investieren, wenn er nach zehn Minuten noch nicht den Eindruck hat, etwas Gutes vor sich zu haben?

Widmen Sie daher den ersten zehn bis zwanzig Seiten unbedingt die größte Aufmerksamkeit, korrigieren Sie sorgfältig jeden Fehler und sorgen Sie für ein hohes Tempo: In fast allen Filmen muss es schnell zur Sache gehen, auf den ersten zwanzig Seiten sollten Problem, Ziel und potentielle Entwicklung des Protagonisten klar werden, auch der Widersacher wird häufig bereits eingeführt.

Mit anderen Worten: Geben Sie dem Leser ausreichend Gründe, weiterzulesen und an Ihr Werk zu glauben! Das ist das eigentliche Ziel des letzten Schliffs Ihres Drehbuchs.

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