Gute Dialoge schreiben

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Es gibt viele Merkmale, die gute Dialoge auszeichnen: Sie transportieren zum Beispiel Informationen mit Hilfe von Subtext, die weit über die gesprochenen Worte hinausgehen. Sie sind schnell, frech, witzig, zugleich aber auch tiefgehend.

Sie verraten viel über ihre Figuren und könnten nur von dem jeweiligen Charakter gesagt werden, aber von keinem anderen.

Eins jedoch zeichnet gute Dialoge nicht aus: Dass sie realistisch sind.

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Quelle: http://www.flickr.com/photos/stevendepolo/

Dialoge und Realismus

Sie glauben das nicht? Dann nehmen Sie mal einen Tag lang, meinetwegen auch nur ein, zwei Stunden, ihre eigenen Gespräche mit Mitmenschen, Kollegen und Familienangehörigen auf – natürlich mit deren Einverständnis – und lauschen Sie Ihren eigenen Worten!

Sie werden feststellen, dass es sich, ganz ehrlich, unerträglich anhört: Unvollständige Sätze, Füllworte, Versprecher, falsch benutzte Fremdworte und, und, und. Wenn die Figuren in einem Film oder einer TV-Serie so sprechen würden, würden die meisten Zuschauer einfach abschalten.

Was sind gute Dialoge?

Gute Dialoge sind daher immer geschliffen und zu einem gewissen Grade artifiziell, also künstlich. Das liegt in der Natur der Sache. Die Kunst in Hinblick auf gute Dialoge liegt darin, einen gelungenen Mittelweg zwischen Filmsprache (in erster Linie Exposition) und glaubwürdigen Wortwechseln zu finden. Was jedoch nicht heißen soll, dass Ihre Figuren nicht deutlich schlagfertiger sein können als jeder normale Mensch.

Kümmern wir uns zunächst um die Exposition – Sie kennen das: Besonders in Krimis werden wir oft mit Informationen erschlagen. Wer war das Opfer, wann ist es gestorben, wie wurde es getötet?

Häufig werden diese Informationen von einer Figur an eine zweite Figur weitergegeben, obwohl sie tatsächlich nur den Zuschauer erreichen sollen – was langweilen kann. Gerade hier ist es daher wichtig, besondere Momente und Reaktionen zu finden, das Gespräch natürlich wirken zu lassen. Zum Beispiel könnte eine der Figuren den Satz einer anderen vollenden, um zu zeigen, dass sie bereits Bescheid weiß.

Auch Selbstgespräche wie „Wir haben noch 72 Stunden!“ und vieles andere fällt unter Exposition und Filmsprache, die oft nötig, aber selten schön ist.

„Schöne“ Dialoge können Sie hingegen in eher persönlichen Momenten einbauen, die mehr über Ihre Figuren verraten: Besonders mit Subtext, also Aussagen, die unter den gesprochenen Worten liegen, kann man dabei gut arbeiten.

Wenn eine Frau zu ihrem Mann nach Hause kommt und beide sagen nur „hallo“, dann ist das langweilig und wenig eloquent. Wenn sie ihn hingegen nur zögerlich begrüßt und er ihr ein „Auch endlich mal zurück?“ entgegenwirft, verrät das etwas über die Beziehung zwischen den beiden.

Vorsichtig sollten Sie nur sein, nicht zu viel Dialoge zu benutzen, so schön sie auch sein mögen: „Show, don’t tell“ lautet die Devise – und an Stelle des Dialog könnte man in besagter Szene auch den Mann zuvor zeigen, wie er immer wieder wartend auf die Uhr blickt und dann statt „Auch endlich mal zurück?“ gleich mit „Schönen Tag gehabt?“ loslegt.

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