Kunst gegen Kommerz: Drehbuchentwicklung

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Viele angehende Drehbuchautor möchten nicht nur Tipps für’s Drehbuch schreiben an sich, sondern wollen auch wissen, was Sie nach dem etwaigen Verkauf eines Drehbuchs erwartet – was andere wiederum gar nicht interessiert. Wir versuchen hier einen Spagat aus Handwerk und Business hinzubekommen, um mal mit ein paar Schlagwörtern um uns zu werfen, und wollen Ihnen ein paar Einblicke in „Kunst gegen Kommerz“-Gedanken sowie die Drehbuchentwicklung mit Produzenten geben, die aber auch für Einsteiger aus handwerklicher Sicht durchaus interessant sein können.

Drehbuchentwicklung Bild
von Images_of_Money

Kunst oder Kommerz?

Grundsätzlich ist natürlich jeder Autor und jeder Produzent unterschiedlich, weshalb es keine allgemein gültige Formel gibt, wie die Drehbuchentwicklung bzw. Stoffentwicklung abläuft. In der Regel ist es jedoch auch bei den besten Autoren-Produzenten-Teams so, dass zwei recht unterschiedliche Agenden aufeinander prallen: Die des Autors, der seine Vorstellung vom Film durchsetzen will, auf der einen Seite und die des Produzenten, der nicht selten in erster Linie an kommerziellen Aspekten interessiert ist, auf der anderen Seite.

Das klingt zunächst nicht unbedingt erbaulich, muss aber nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sein, denn insbesondere in Deutschland werden mit Hilfe der diversen Filmförderungen schon viel zu viele Kinofilme produziert, die letzten Endes „niemand“ sehen will und aus wirtschaftlicher Sicht im Grunde nie realisiert werden dürften – und nur in wenigen Fällen handelt es sich dabei wirklich um künstlerische Filme, deren Verwirklichung aus kulturellen Gesichtspunkten relevant wäre.

Um nicht abzuschweifen: Natürlich bedarf es letzten Endes immer eines kleinen Kompromisses zwischen der Vision des Künstlers auf der einen Seite und den mitunter berechtigten wirtschaftlichen Einwänden des Produzenten auf der anderen Seite.

Überlegungen für den Autor

Was bedeutet das für Sie als Drehbuchautor? Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie als Autor überhaupt eine klare Vision Ihres Films bzw. Drehbuchs haben, die sie durchsetzen und verteidigen wollen. Wenn Sie mit einer „Für mich ist alles okay“-Einstellung in die Stoffentwicklung gehen oder aber jeder Änderung des Produzenten zustimmen, wird das „Endprodukt“ darunter zweifellos leiden.

Machen Sie sich deshalb von Anfang an klar, was für eine Geschichte Sie erzählen wollen, wie Sie sie erzählen wollen und warum – schließlich können Sie nur jemanden anderen (oder auch sich selbst) davon überzeugen, wenn Sie selbst daran glauben und wissen, wovon Sie reden.

Auf der anderen Seite gilt es durchaus auch schon bei den ersten Überlegungen für Ihr Drehbuch an die kommerzielle Verwertbarkeit zu denken. Manche Autoren lehnen das strikt ab, schließlich sind sie „Künstler“, aber letzten Endes kostet die Produktion eines Filmes mindestens einen siebenstelligen Euro-Betrag und das Resultat soll gesehen werden, Zuschauer oder TV-Sender sollen Geld dafür ausgeben. Denn letzten Endes ist, auch wenn es traurig oder banal klingen mag, die Filmbranche ein Geschäft wie jedes andere.

Konkrete Do’s and Dont’s zu nennen, fällt dabei schwer, da diese von vielen Faktoren abhängig sind: Schreiben Sie für Kino oder Fernsehen, wie renommiert sind Sie als Autor, mit was für einem Budget soll gearbeitet werden – und so weiter. Grundsätzlich herrscht in Deutschland unter Produzenten leider noch immer eine sehr starke Abneigung gegen Stoffe, die sich nicht bereits im Ausland (sprich: den USA oder notfalls noch Großbritannien) als erfolgreich erwiesen haben, überhaupt scheut man Risiken.

Großer Wert wird, auch in Genres, in denen es Hollywood vernachlässigt, auf eine realistische, tiefgehende Charakterzeichnung gelegt; Figuren wie etwa in den Hangover-Filmen würde Ihnen in Deutschland wohl niemand abkaufen. Auf der anderen Seite würde aber auch eine „düstere“ Serie wie NBCs Hannibal in Deutschland niemals produziert werden, da fast immer „die Breite“ angesprochen werden soll.

Dennoch sollten Sie natürlich nicht von Beginn an auf den kleinsten gemeinsame Nenner hin schreiben, denn die Vereinfachung folgt früh genug. Um es mit den Worten der amerikanischen Drehbuchautors John August zu sagen: Drehbuchentwicklung ist dafür da, etwas, das nur Sie geschrieben haben könnten, in etwas zu verwandeln, das jeder geschrieben haben könnte.

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