Über den Umgang mit Gewalt

Wir haben das Thema Gewalt in Bücher und Drehbücher in einem anderen Kontext schon einmal angerissen, dennoch wird die Frage “Wie gehe ich als Autor am besten mit Gewalt in meinen Geschichten um?” häufig gestellt und das zu Recht – denn jeder Schriftsteller muss für sich und seine jeweilige Geschichte selbst entscheiden, wie weit er gehen, wie er Gewalt und ihre Auswirkungen interpretieren und wie deutlich er sie in seinem Buch oder Drehbuch zeigen will.

Lassen Sie uns ein paar Überlegungen dazu anstellen!

Umgang mit Gewalt Bild

Quelle: Wikimedia / Zarateman

Tonfall und Genre

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Die detailgenaue Beschreibung von Gewalt und ihren Auswirkungen ist für einen Autor fast immer eine Wahl, aber nur sehr selten ein Muss: Im Krimigenre etwa gibt es die Werke eines Jeffery Deaver, die in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund nehmen und sich in der Gewaltdarstellung geradezu laben, dem gegenüber stehen charmante Dorfkrimis, in denen die Beschreibung einer Leiche nicht wesentlich über “Er hatte ein Loch in der Brust” hinausgeht. Und auch in Actionfilmen kann reichlich Blut fließen, Körperteile können fliegen – oder aber die Auswirkungen der Gewalt werden nur angedeutet und beschränken sich auf das zu Boden gehen.

Schwieriger wird es, wenn die Gewalt elementarer Bestandteil des Plots und der Bedrohung ist, die der Held zu verhindern versucht: Geschichten, die in einem Krieg spielen, klingen heuchlerisch, wenn die Gewalt nur angedeutet oder gar romantisiert wird, aber auch die Jagd auf einen Serienkiller lässt sich nur schwer erzählen, ohne dessen schreckliche Taten zumindest einmal klar in all ihren Details zu zeigen.

Entscheidend ist letzten Endes in erster Linie jedoch der Tonfall, den eine Geschichte anstrebt, was am Beispiel der Krimis offensichtlich wird: In einem unterhaltsamen, charmanten Krimi sind zu grausame Gewaltausbrüche und -beschreibungen in der Regel fehl am Platz. Stellen Sie hingegen ein finsteres, zynisches Weltbild dar, wäre es ein Fehler, sich mit Details zurückzuhalten.

Stichwort: Lesererwartung

Grundsätzlich sollten Sie keine Hemmungen haben, Gewalt so darzustellen und so zu schreiben wie Sie es im Kontext der Geschichte für richtig halten – Bücher, die sich an Kinder und Jugendliche richten sind davon natürlich ausgenommen -, das entscheidende Stichwort lautet jedoch: Was erwarten Ihre Leser und an wen wollen Sie sich richten?

Schreiben Sie für eine spezifische Nische, ist es nicht verkehrt, sich grundlegend an die in diesem Genre gängigen Spielregeln in Hinblick auf Gewalt zu halten. Haben Sie eine möglichst breite Zielgruppe im Blick, ist von einer zu realistischen Darstellung von Gewalt abzuraten.

Als ganz brauchbare Orientierung mag in diesem Zusammenhang der populäre “Tatort” dienen: Alles, was dort gezeigt und gesagt wird, können Sie dem durchschnittlichen Leser durchaus zumuten.

Darüber hinaus genießen Buchautoren aber natürlich wesentlich mehr Freiheiten als Drehbuchautoren: Während für Filme die strengen Auflagen des Jugendschutzes gelten (und die Inszenierung letzten Endes ohnehin nicht in der Hand der Autoren liegt), können Sie in Romanen weitgehend tun und lassen, was Ihnen in den Sinn kommt.

Auch die Frage etwa, ob Sie Gewalt als zulässige Problemlösung in Ihrer Geschichte darstellen wollen, bleibt dann Ihnen überlassen – zugleich sollten Sie sich jedoch der damit verbundenen Verantwortung bewusst sein, können Bücher und ihre Botschaft doch durchaus eine beträchtliche Wirkung auf den geneigten Leser entfalten.

Wie alles andere auch sollte Gewalt bis auf wenige Ausnahmen nicht zur reinen Provokation eingesetzt werden, um Aufmerksamkeit zu wecken oder schlichtweg Erwartungen zu erfüllen, sondern weil sie sich für diese Geschichte notwendig oder zumindest “bereichernd” anfühlt.