Witzig schreiben ohne witzig zu sein

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Der Titel dieses Artikels klingt ein bisschen gemein, tatsächlich aber soll er nur eine Frage behandeln, die so wirklich häufig gestellt wird:

Kann ich ein witziges Buch oder Drehbuch schreiben, ohne im echten Leben selbst witzig zu sein? Oder auch: Wie kann ich eigentlich lernen, lustig zu schreiben oder gar lustig zu sein?

Lesen Sie hier, warum allein diese Fragen schon einer gewissen Komik nicht entbehren – und warum das Ihnen Mut machen sollte!

Lustig schreiben Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/snapr/

Wer ist witzig?

Der Grund, warum diese Fragen nicht ganz unkomisch sind, liegt auf der Hand: Müssen Sie im „echten Leben“ Mordfantasien haben oder gar ein Mörder sein, um einen Krimi schreiben zu können, in dem jemand umgebracht wird?

Ich denke, Sie kennen die Antwort auf diese Frage, und doch stellt Humor für viele eine Hemmschwelle dar, die oft gemieden wird, dabei kann es objektiv nicht wirklich schwieriger sein, lustig als zum Beispiel spannend zu schreiben. Viele Comedy-Autoren würden sogar behaupten, dass Spannung und Dramaturgie viel schwerer zu verstehen sind als eine simple Pointe.

Vielleicht liegen die Hemmungen darin begründet, dass viele Menschen Humor im Alltag auf eine gewisse Weise beherrschen, Autoren oft – nicht nur dem Klischee nach – aber eher introvertiert sind und sich deshalb mit verbalem Humor zurückhalten. Allerdings haben gesprochenes und geschriebenes Wort fast nichts miteinander gemein und auch Ihre lustigsten Bekannten könnten wahrscheinlich kein wirklich witziges Buch schreiben.

Kann man Humor lernen?

Bleibt die Frage, ob man lustiges Schreiben lernen kann – und die Antwort darauf kann nur ja lauten, denn im Grunde existieren ganz grob lediglich zwei Formen von Humor: Zum einen der klassische Witz und zum anderen die Beobachtungskomik.

Der klassische (Wort-)Witz funktioniert nach ganz simplen Strickmustern und einem schnell zu verstehenden Schema bestehend aus Exposition und Punchline. Nehmen Sie ein paar Witze aus Zeitschriften auseinander, hören Sie bei Sitcoms den Figuren etwas genauer zu oder lauschen Sie Harald Schmidt bei seinem Monolog: Der Aufbau eines Witzes ist fast immer exakt der gleiche.

Ganz anders hingegen ist die Beobachtungs- und Situationskomik, die sich in erster Linie mit real existierenden oder zumindest in der Wirklichkeit möglichen Ereignissen beschäftigt und für deren Verständnis Sie in erster Linie eines kennen müssen: Menschen.

Studieren Sie die Verhaltensmuster Ihrer Mitmenschen, beobachten Sie, wie sich andere in bestimmten Lagen verhalten und Sie werden unweigerlich auf lustige Momente stoßen! Die Komik liegt dann nicht in einer künstlich etablierten Punchline sondern darin, dass der Zuhörer, Zuschauer oder eben Leser sich oder jemanden aus seinem Umfeld darin wiedererkennt und den Witz der Situation begreift.

Natürlich gibt es im Detail noch viele weitere Formen des Humors, in Büchern sind vor allem witzige Vergleiche sehr beliebt, allerdings fällt das eher unter unterhaltsames, lebendiges, manchmal auch blumiges Schreiben, was mit Humor und Witzigkeit nur begrenzt zu tun hat.

Festzuhalten bleibt: Jeder kann lernen, lustig zu schreiben – aber nicht jeder, der im Alltag witzig ist, kann auch witzige Worte auf Papier bringen.

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