33 Klischees, auf die man nie zurückgreifen sollte

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Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass sich viele Bücher und Filme zu ähneln scheinen? Dass Sie schon nach dem ersten Drittel ahnen, wie es ausgeht, und dass Sie immer seltener von plötzlichen Wendungen überrascht werden? Keine Sorge: So geht es fast jedem, der regelmäßig Romane liest und ins Kino geht. Schuld daran sind Klischees, denen sich Autoren teils unbewusst aus Faulheit, teils aus mangelnder Fantasie bedienen.

Machen Sie nicht den gleichen Fehler: Hier sind 33 Klischees, auf die Sie als Autor nie zurückgreifen sollten!

Klischees vermeiden Foto
von jakeliefer

Beliebte Klischees in Bücher und Filmen

  • Kommissar mit verlorener Frau / Tochter: Eine gequälte Vergangenheit kann als Backstory sinnvoll sein, der Kommissar und die Frauen ist aber eine übermäßig bemühte. Überhaupt Kommissare: Eine der langweiligsten Berufsgruppen, es gibt keinen Kommissar, der nicht schon erschaffen wurde. Wählen Sie einen anderen Job!
  • Lüftungsschächte: Sind fast nie groß genug, um hindurch zu krabbeln. Erst recht nicht in Gefängnissen und militärischen Anlagen.
  • Die Katze retten: „Save the Cat“ ist ein altes Motto, um einen Charakter sympathisch zu machen. Lassen Sie ihn aber nie aktiv ein Tier retten, das wirkt höchstens noch unfreiwillig komisch.
  • Bomben mit Zeitanzeige: Mal ehrlich, warum würde jemand, der eine Bombe baut, so freundlich sein, den Zeitpunkt der Explosion mit Hilfe eines Timers anzukündigen?
  • Piepsende Herzmonitore: Fast das gleiche wie Bomben mit Zeitanzeigen. Wenn es regelmäßig piepst, kann man den lang gezogenen Ton, der bald folgen wird, schon hören.
  • Schach: Spielen nur Bösewicht, weil’s symbolisch und eine Metapher ist und so. Suchen Sie sich eine bessere!
  • Der nette Nebencharakter: Geht heute zum ersten Mal seinem Job nach oder hat gerade seiner Freundin einen Antrag gemacht und wird nur eingeführt wird, um umgebracht zu werden. Uhn-uhn!
  • Der verpasste Bösewicht: Der Held kommt ein paar Sekunden zu spät, um den Bösewicht zu erwischen. Genauso schlimm: Mitleid mit dem Bösewicht. Der Held könnte den Bösewicht töten, hat aber Gewissensbisse und lässt ihn laufen.
  • Der ignorierte Anruf: Jemand ignoriert einen wichtigen Anruf, weil er auf den Anrufer sauer ist. Würde er den Anruf annehmen, wäre die Geschichte vermutlich abgeschlossen. Grundsätzlich gilt: Anrufe vermeiden!
  • Das Wahrzeichen: Laut Roger Ebert hat man in jedem Film, der in Paris spielt, von seinem Hotelzimmer einen Ausblick auf den Eiffelturm. Gilt auch für andere Städte. Ich muss in meinen Urlauben die falschen Hotels besuchen.
  • Verletzungen tun nicht weh: Prügeleien haben fast nie Auswirkungen auf die Gesundheit des Helden. Realität muss nicht immer das Ziel sein, kann aber eine interessante Wahl sein, wenn ein Schlag auf den Kopf tatsächlich zu einer Gehirnerschütterung führt.
Autoren Tipps Foto
von Robert Scoble

  • Handys ohne Empfang: Gibt es in der Realität so gut wie gar nicht mehr, selbst Internet funktioniert fast überall. Besser sind Figuren, die kein Handy benutzen wollen.
  • Jeder schießt daneben: Sagt eigentlich schon alles. Wer immer daneben schießt, ist ein verdammt schlechter Gangster oder Polizist. Ist in den wenigsten Fällen angebracht.
  • Das weise Kind: Weiß mehr als Erwachsene, beobachtet besser als Erwachsene, gibt Erwachsenen Ratschläge für’s Leben. Wenn sie zuhören, was sie meistens erst zu spät tun.
  • Fremde Sprachen: Gibt es in vielen Büchern und vor allem Filmen offenbar nicht. Dabei können Verständigungsprobleme sehr interessant sein – nicht nur auf Reisen sondern auch im Inland.
  • Schwache Türen: Nur die wenigsten Türen dieser Welt lassen sich tatsächlich mit einer Kreditkarte oder gar mit einem Draht öffnen.
  • Minderheiten: Dürfen in Krimis fast nie den Täter stellen, sondern müssen hilfreich und nützlich sein.
  • Der wütende Polizeichef: Genauso langweilig wie der gequälte Kommissar.
  • Rauchen: Machen heutzutage nur noch Bösewichte, wenn überhaupt. Warum eigentlich?
  • Frauen, die weinen müssen: Beliebt in „romantischen“ Komödien; fast immer muss die Frau erst ihre Lektion lernen und heulen, bevor sie „ihren“ Mann bekommt.
  • Überhaupt, Frauen: Sprechen Ihre weibliche Charaktere untereinander über etwas anderes als Männer? Figuren, die nicht den Bechdel-Test bestehen, sind eines der schlimmsten Klischees.
33 klischees Foto
von Paul Keller
  • Spiegel: In Filmen nur ein zu oft bemühtes Stilmitteln, in Romanen albern, wenn Figuren davor stehen und sich für den Leser selbst beschreiben. Wer macht das im echten Leben – vermutlich nicht einmal Serienkiller.
  • Wendungen telegraphieren: „Der Flug sollte sehr angenehm werden“, Schnitt zu: Das Flugzeug gerät in Turbulenzen. Sieht jeder kommen.
  • Praktische Verschwörungen: Ein Mittelsmann ist gefasst, könnte aussagen und somit die Geschichte zu Ende bringen? Gut, dass der Bösewicht einen Gehilfen im Knast hat, der ihn gerade rechtzeitig umbringt!
  • Schwiegermütter: Jetzt ernsthaft.
  • Amnesie: Selbst Daily Soaps sind sich mittlerweile zu schade, um auf dieses Plot Device noch zurückzugreifen.
  • Die Wette: Besonders beliebt in Liebesgeschichten sowie romantischen Komödien; zwei Freunde wetten etwas und die potentielle Geliebte darf nichts davon erfahren. Tut es aber. Langweilig!
  • Die Ignoranz der Passanten: Haben Sie sich schon mal gewundert, warum Passanten NIE in Verfolgungsjagden einzugreifen scheinen? Kann sinnvoll sein, wenn man mit der allgemeinen Apathie etwas aussagen will. Will man bei Verfolgungsjagden aber so gut wie nie.
  • Damsel in Distress: Ein furchtbarer Archetyp aus alten Zeiten – Frauen, die nur auftauchen, um von Männern gerettet zu werden. Selbst in historischen Geschichten oft deplatziert.
  • Der redseelige Held / Bösewicht: Protagonisten oder Antagonisten, die Ihren Plan ihrem Feind erzählen sind dumm, nichts anderes. Selbst dann, wenn Sie sich überlegen fühlen und glauben, man könne ihren Plan nicht zerstören.
  • Freunde & Kollege ohne Vertrauen: In fast jeder Krimi-Serie gibt es eine Folge, in welcher der Protagonist, der zuvor so ungefähr hundert Fälle erfolgreich gelöst hat, selbst eines Verbrechens verdächtigt wird. Und natürlich zweifelt sogar sein engstes Umfeld, ob nicht tatsächlich etwas dran sein könnte. Schwer zu glauben.
  • Scheuklappen auf: Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Sie fast immer merken, wenn jemand ein, zwei Meter hinter ihnen steht, selbst wenn er kein Geräusch von sich gibt? Figuren in Filmen scheinen so etwas wie Wahrnehmung oder peripheres Sehen nicht zu kennen. In Horrorfilmen wie Thrillern gleichermaßen überflüssig.
  • Vertrauensbeweis: Jeder verdeckte Ermittler der Film-, TV- und Roman-Geschichte scheint in die Situation zu kommen, einen Unschuldigen erschießen zu sollen, damit der Gangsterboss ihm vertraut. In der Realität wäre jeder verdeckte Ermittler vermutlich längst tot, wenn so an ihm gezweifelt wird. Denken Sie sich bessere Vertrauensbeweise aus!

Klischees vermeiden

Um Klischees bewusst und gezielt zu vermeiden, überdenken Sie jede Handlungen Ihrer Figuren und insbesondere die Auswege, die Sie aus haarigen Situationen finden: Passt die Handlung zum Charakter Ihrer Figur? Ist es eine logische Lösung oder eine, die Sie gewählt haben, weil Sie sich schon so fest in Ihrem Kopf verankert hat?

Wählen Sie zudem beim Schreiben nie die erste Antwort, die Ihnen in den Sinn kommt, sondern überlegen Sie sich stets vier, fünf Alternativen – selbst wenn Sie am Ende womöglich doch die erste Lösung als die beste einordnen. Denn natürlich hat jede Regel ihre Ausnahme und jedes Klischee unter Umständen seine Berechtigung, wenn Sie wissen, was Sie tun.

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One comment

  1. Hallo Patrick

    Faszinierend, was es hier bei dir zu lesen gibt;)! Vielen Dank, hilft mir sehr weiter in meinem Film-Projekt zum Thema „Glück“.
    Aktuelles, Wissen vermitteln, online und auch prägnant! BRAVO!

    Beste Grüsse aus Biel (Schweiz)
    Nicole

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