Charakterentwicklung mit Subplots

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Die Eigenschaften eines Charakters sowie seine Entwicklung im Laufe einer Geschichte zu zeigen, zählt zu den wichtigsten Aufgaben von Schriftstellern und Drehbuchautoren. Doch nicht immer ist es möglich oder sinnvoll, sämtliche Charakterzüge und Charakterentwicklungen allein anhand der Hauptstory zu zeigen, die sich dadurch überladen anfühlen kann. Stattdessen greift man häufig auf Subplots zurück, welche die so genannte A-Story um weitere Handlungsstränge ergänzen.

Lesen Sie hier, wie Sie Charakterentwicklung geschickt anhand von Subplots zeigen!

Charakterentwicklung Bild
von qmnonic / Flickr

Was ist ein Subplot?

Beginnen wir mit der offensichtlichsten Frage, der nach der genauen Bedeutung des Wortes „Subplot“: Ein Subplot ist, einfach gesagt, eine Nebengeschichte, also eine Handlung, die nicht unmittelbar mit dem Hauptziel des Protagonisten beziehungsweise Helden in Verbindung steht, sich mitunter jedoch auf seine Erfolge und Misserfolge auf dem Weg zum Hauptziel auswirken kann. Er sollte nie nur schmückendes Beiwerk darstellen, sondern immer der Entwicklung von Charakter, Setting oder Hauptplot dienen.

In The Hangover beispielsweise suchen die drei Helden den verschwundenen Bräutigam, was die A-Story, wie sie beim Drehbuchschreiben in der Regel bezeichnet wird, verkörpert. Gleichzeitig werden aber mehrere weitere Geschichte wie etwa die von Stu erzählt, einem der Helden, der von seiner Verlobten nicht loskommt, die ihn betrogen hat.

In vielen Krimiromanen sucht der Protagonist vorrangig den Mörder, muss aber zugleich mit dem Verlust einer ihm nahestehenden Person oder den Schatten seiner eigenen Vergangenheit umgehen, der ihn daran hindert, die volle Konzentration auf die Ermittlungen zu richten, sein Potential auszuschöpfen. Ersteres ist der Hauptplot, letzteres der Subplot – und es kann sogar weitaus mehr als nur einen geben!

Charakterentwicklung in der B-Story

Subplot – oder B- und C-Stories – funktionieren dann am besten, wenn sie Ihre Figuren eine Veränderung durchmachen lassen, die sich über kurz oder lang auf die A-Story auswirkt; nicht selten entstammt sogar die Lektion, die der Protagonist erleben und verstehen muss, einem Subplot.

Gut möglich ist es beispielsweise, dass Ihr Held sein Ziel in der Hauptstory nicht erreichen kann, weil ihn eine traumatische Erfahrung oder eine äußerst persönliche Schwäche blockiert und behindert. Dieses Problem kann er jedoch nicht in der A-Story überwinden, sondern er muss an die Ursache gehen, sich dem Problem im Subplot stellen und es aus dem Weg räumen, um somit auch in der A-Story voranzukommen.

Anders formuliert: Im Hauptplot bekommt es der Held üblicherweise in erster Linie mit äußeren Hindernissen zu tun, die ihm der Antagonist, die Welt im Allgemeinen oder sogar er selbst sich in den Weg stellt. Einige dieser Hindernisse kann er überwinden und daran wachsen, sich verändern, aber in der Regel nicht alle. Im Subplot hingegen liegen die Probleme häufig vorrangig im Inneren des Helden oder in seinem nahen Umfeld, er wird mit seinen eigenen Schwächen konfrontiert, die er überwinden muss, um seine Ziele zu erreichen.

Natürlich ist diese Trennung fast nie absolut eindeutig und selbstverständlich kann sich auch die A-Story auf die B-Story auswirken. Wichtig ist jedoch, dass ein Subplot nicht einfach existiert, um mal eben etwas Abwechslung zu erschaffen, sondern um etwas über Ihre Figuren oder Ihre Welt zu enthüllen und die Hauptgeschichte voranzutreiben!

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