Die Schneeflocken-Methode

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Dass aus einer guten Idee und einer interessanten Prämisse noch lange kein gutes Buch oder Drehbuch werden muss, kann man an tausenden Geschichten sehen, die nie realisiert wurden, obwohl sie auf den ersten Blick interessant klangen. Vielen Autoren fehlt nämlich ein entscheidender Zwischenschritt: die richtige Methodik bei der Stoffentwicklung von der Idee zum Buch oder Drehbuch.

Wir wollen Ihnen verschiedene Möglichkeiten vorstellen, wie Sie aus einer Anfangsidee eine komplette Geschichte entwickeln, und beginnen mit der simplen Snowflake Method, der Schneeflocken-Methode.

Was ist die Schneeflocken-Methode?

Die Idee in einem Satz: Im Grunde ist die Methode ganz simpel: Zunächst fassen Sie Ihre Idee in einem Satz zusammen, mit dem Sie einen Zuhörer für sich gewinnen würden. Ein Satz, der Sie sagen lässt: Ja, diesen Film würde ich sehen wollen, ja, dieses Buch möchte ich schreiben.

Zum Beispiel: „Ein Polizist muss seine Frau in einem im Bau befindlichen Hochhaus aus den Fängen von Geiselnehmern befreien.“

Die Hauptfigur, sein Ziel, der Schauplatz, die Fallhöhe und das Hindernis sind damit in wenigen Worten zusammengefasst – daraus lässt sich schon etwas machen.

Ein Satz pro Akt: Nun beginnen Sie, Schritt für Schritt aus diesem Satz den Film weiter zu entwickeln – indem Sie für jeden Akt des Films und vielleicht die Ausgangssituation einen Satz schreiben. Im Falle von Stirb Langsam, um bei dem Beispiel zu bleiben, sähe das ungefähr so aus:

„Der New Yorker Polizist John McClane besucht an Weihnachten seine Familie, die in Los Angeles lebt. Er will seine Frau Holly auf ihrer Firmenparty in einem nagelneuen Hochhaus treffen, doch kurz bevor er die Feier erreicht, stürmen bewaffnete Gangster das Gebäude. John will Holly retten und beginnt, einen Gangster nach dem anderen auszuschalten und die Aufmerksamkeit eines Polizisten vor dem Haus auf sich zu ziehen. Doch McClanes Vorgehen bleibt nicht unbemerkt, das FBI stellt sich als weiteres Hindernis heraus und schließlich erkennen die Gangster, dass John der Ehemann von Geisel Holly ist. John muss den Bösewicht in einem Showdown auf dem Dach des Hochhauses ausschalten und das Leben seiner Frau retten.“

Vielleicht sind das sogar schon ein paar Details zuviel – die Aufmerksamkeit des Polizisten etwa ist nicht so relevant -, aber die wichtigsten Eckpfeiler stehen mit diesem Schritt: Der Incident (Gangster stürmen die Firmenparty), der erste große Plot Punkt (John geht rein und knallt Gangster ab), der Wendepunkt (die Gangster reagieren) und der All-is-Lost-Moment (die Gangster erkennen, dass John und Holly verheiratet sind).

Ein Absatz pro Akt: Im nächsten Schritt entwickeln Sie die Geschichte weiter und schreiben einen knappen Absatz für jedes Viertel des Films, also insgesamt etwa eine DIN-A4-Seite. Hier können die Komplikationen wie das FBI näher ausgearbeitet werden, Nebencharaktere wie der Polizist werden detaillierter erläutert und einzelne Szenen bereits angedeutet. Auch das Ziel der Gangster muss spätestens jetzt genau erklärt werden.

Ein Beispiel erübrigt sich hier, im Grunde sollte sich der Text in etwa so lesen wie die oben verlinkte Wikipedia-Beschreibung der Story von Stirb Langsam.

Wie es weiter geht: Damit steht die Geschichte in ihren Grundzügen. Sollte es noch grobe Mängel oder Lücken geben, sind diese hier zu kitten, bevor Sie sich in weitere Details stürzen. Die nächsten Schritte liegen nun bei Ihnen: Sie könnten zunächst die Figuren ausarbeiten, einzelne Szenen genauer durchdenken oder an den Nebenplots feilen. Auch die emotionale Komponente – warum sollte der Leser oder Zuschauer für diese Charaktere fühlen – ist wichtig.

Sie können die Schneeflocken-Methode so weit treiben, dass Sie am Ende ein komplettes Treatment vor sich haben, aber auch unterwegs abbrechen und zur Outline übergehen, um dann das Buch oder Drehbuch zu schreiben.

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