Drehbuch: Acht Sequenzen

Neben den bereits erwähnten drei Akten ist auch der Begriff der acht Sequenzen in Hinblick auf die Struktur eines Drehbuchs sehr verbreitet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine grundlegend unterschiedliche Dramaturgie, sondern eher um eine andere Betrachtungsweise, die Ihnen beim Drehbuchschrieben helfen kann. Wir erklären, was die acht Sequenzen sind und wie sie aussehen.

Drehbuch Struktur Acht Sequenzen Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/davedehetre/

Drehbuch-Struktur: Sequenzen

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Der Begriff „Sequenz“ wird von Filmemachern auf unterschiedliche Art und Weise verwendet. Zum einen ist eine Sequenz eine Aneinanderreihung von zusammenhängenden Szenen.

Wenn James Bond zum Beispiel in eine feindliche Basis eindringen muss, dann sucht er sich in der Regel zunächst einen geheimen Eingang, schleicht dann durch die Gänge, schaltet ein paar Wachen aus und erreicht schließlich sein Ziel. All das sind einzelne Szenen, doch der komplette Zusammenhang – „Das Eindringen in die feindliche Basis“ – ist eine Sequenz oder auch ein Set Piece.

In puncto Drehbuch-Struktur ist der Sequenzbegriff ein bisschen weiter gefasst: Man nimmt an, dass ein Film aus acht Abschnitten oder Mini-Filmen besteht, die alle einen Anfang, einen Mittelteil sowie ein Ende haben und in denen eine Entwicklung geschieht. Die Dramaturgie ähnelt, wie schon gesagt, der Akt-Struktur, aber mit Hilfe der Sequenzen können Sie den Film ein bisschen einfacher zerlegen und planen.

Sequenz 1 – Set-Up: Die erste Sequenz umfasst die Exposition. Die Hauptfiguren werden aufgeführt, ihre alte Welt und ihre Probleme gezeigt. Die erste Sequenz endet üblicherweise mit dem Inciting Incident, dem Auslöser für alles, was folgt.

Sequenz 2 – Debatte: In der zweiten Sequenz diskutiert der Protagonist mit Verbündeten, vielleicht aber auch nur mit sich selbst, darüber, ob er den Ruf des Abenteuers annehmen soll. Manchmal bittet er hier zunächst um äußere Hilfe, wird aber ignoriert oder nicht ernst genommen. Die Sequenz endet mit dem ersten Schritt in die neue Welt.

Sequenz 3 – Erster Lösungsversuch: Hier unternimmt der Protagonist einen ersten Lösungsversuch für sein Problem. Er riskiert noch nicht zuviel, verändert sich höchstens marginal und tritt allgemein eher zurückhaltend auf. Oft werden in diesem Teil vorwiegend Gespräche geführt, Zeugen befragt und ähnliches.

Sequenz 4 – Zweiter Lösungsversuch: Nachdem der erste Lösungsversuch allein nicht zum Erfolg geführt hat, muss der Protagonist in dieser Sequenz ein höheres Risiko gehen. Er merkt, dass er mit seinen alten, begrenzten Mitteln das Ziel nicht erreicht und deshalb Neues wagen muss. Oft resultiert das in einer Action-Sequenz, brave Figuren überschreiten erstmals leicht das Gesetz, in nahezu jedem Fall ist Mut gefragt. Dieser Abschnitt endet mit dem Wendepunkt, der ein Erfolg, Misserfolg oder schlichtweg ein Twist sein kann. Mehr und mehr steht auf dem Spiel.

Sequenz 5 – Konfrontationen: Natürlich bleiben die Veränderungen und das Vorgehen den Protagonisten nicht unbeantwortet: Der Bösewicht reagiert, schickt Mittelsmänner oder schlägt selbst zurück, das Umfeld des Protagonisten erkennt ihn nicht mehr wieder – und wo seine Veränderungen zuvor auf positives Feedback stießen, muss er sich nun rechtfertigen und behaupten.

Sequenz 6 – Niedergang: Das gelingt der Hauptfigur jedoch nur zu einem gewissen Grade, denn nun kommt unweigerlich der Niedergang: Die neue Welt bricht über ihm zusammen, sein Geheimnis offenbart sich, jemand enttäuscht und verrät ihn, ein Freund wird gefangen genommen, der Bösewicht scheint zu entkommen – die Lage spitzt sich zu, alles steht auf dem Spiel und der Protagonist wirkt verloren.

Sequenz 7 – Wiedergeburt: Es gibt viele Möglichkeiten, diese Sequenz zu umschreiben. Manche nennen es die Wiederauferstehung, andere den großen Plan, wieder andere den letzten Lösungsversuch. Klar ist: Der Protagonist macht sich seine Veränderung zunutze, akzeptiert sie, opfert sich auf und geht hier auf’s Ganze. Er schmiedet einen letzten Plan, der gelingen muss – tut er es nicht, ist er entweder metaphorisch oder tatsächlich tot. Natürlich tut der Widersacher alles, um ihn zu stoppen und oft folgt hier noch ein letzter Twist.

Sequenz 8 – Resolution: Logischerweise wird die Story hier zu ihrem Ende geführt. Üblicherweise gelingt es dem Protagonisten, sein Ziel mit Hilfe seiner durchlebten Veränderung zu erreichen, aber es kann ebenso gut Einschränkungen und kein echtes Happy End geben – dieser Teil liegt ganz bei Ihnen!

Natürlich ist nicht jedes Drehbuch beim Schreiben anhand dieser Sequenzen aufgebaut, aber fast jeder Film lässt sich auf diese Weise im Nachhinein zerlegen. Probieren Sie es einfach mal selbst aus!

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