Drehbuch: Die drei Akte

Es gibt viele Theorien über den Aufbau und die Dramaturgie von Geschichten. Bei Drehbüchern ist vor allem die Drei-Akte-Theorie verbreitet, die in erster Linie von Syd Field geprägt wurde. Im Folgenden wollen wir die Theorie und die einzelnen Akte genauer vorstellen.

Drei Akte Drehbuch Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/koalazymonkey/

Der erste Akt: Set-Up und Incident

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Im ersten Akt, der etwa ein Viertel des Drehbuchs ausmacht, wird üblicherweise als erstes der Status Quo des Protagonisten vorgestellt: Wie sieht sein Alltag aus, wie macht er seinen Job, wie geht er mit seinem Umfeld und mit Problemen um und welche Konflikte bestehen? Das zentrale Thema des Drehbuchs und interne Hindernisse der Hauptfigur sollten gezeigt werden.

Nach gut der Hälfte des ersten Aktes folgt der „Inciting Incident“, der große externe Auslöser, welcher die Geschichte in Gang setzt und der den Protagonisten dazu auffordert, zu handeln. In einem Krimi ist das üblicherweise das Finden einer Leiche oder eine Entführung, im ersten „Indiana Jones“ ist es der Hinweis auf die Bundeslade, in „Stirb Langsam“ ist es das Eindringen der Gangster in das Hochhaus.

Die zweite Hälfte des ersten Aktes besteht in der Regel daraus, dass die Hauptfigur damit ringt, die Herausforderung anzunehmen, schließlich muss sie sich dazu verändern, etwas riskieren – was Menschen grundsätzlich nicht gerne tun. Hier wird oft mit Freunden oder Kollegen diskutiert, der Protagonist zögert oder wendet sich zunächst an externe Stellen, um Hilfe zu holen.

Manchmal benötigt es ein zweites Ereignis, einen weiteren Schub, der den Einsatz erhöht: Ein Freund wird bedroht, ein Mentor stirbt, ein zusätzlicher Konkurrent erscheint. Der erste Akt des Drehbuchs endet jedenfalls nahezu immer damit, dass der Protagonist die Herausforderung annimmt und einen ersten Schritt in sein Abenteuer hineinwagt: Indem er die Ermittlungen aufnimmt, den Schatz sucht oder auf die Frau seiner Träume zugeht.

Der zweite Akt: Erfolge, Wendepunkt, Hindernisse

Die Annahme des Abenteuers geht häufig mit einem Ortswechsel einher: Die Hauptfigur betritt eine neue Welt, muss sich verändern, weiß nicht immer, was sie tut, und oft wird die Fremde durchaus wörtlich genommen: In „Stirb Langsam“ betritt John McClane das Hochhaus und ein Indiana Jones setzt sich ins Flugzeug.

Die neue Welt kann aber auch subtiler sein und vornehmlich intern stattfinden: Ein Mann, der Angst vor Bindungen hat, geht mit einer Frau auf ein zweites Date, eine einfache Arbeiterin konfrontiert ihre High-Society-Chefin.

Üblicherweise erzielt der Protagonist in der ersten Hälfte des zweiten Aktes durchaus mehrere Erfolge: Er kommt seinem Ziel scheinbar näher, gewinnt Verbündete, macht Fortschritte in seinen Ermittlungen, lernt Neues und verändert sich zum Besseren. Oft hat die Hauptfigur hier zu einem gewissen Grade Spaß, die meisten Szenen in Filmtrailern stammen aus diesem Teil.

Unweigerlich folgt in der Mitte des zweiten Aktes und damit auch in der Mitte des Drehbuchs der Wendepunkt, der entweder eine vermeintliche Niederlage oder ein vermeintlicher Erfolg sein kann. Der Protagonist glaubt, den Täter geschnappt zu haben, den Schatz gefunden – oder aber er hat sämtliche Spuren verloren. Dabei wird auch der Einsatz erhöht und oft ein zusätzliches Zeitlimit eingeführt: Die Bombe ist in der Stadt und geht in zwei Stunden hoch!

Im zweiten Teil des zweiten Aktes kämpft der Protagonist dann in erster Linie mit seinen Widersachern und inneren Problemen: Die Ermittlungen gehen weniger schnell voran, neue Hindernisse tun sich auf, andere etablierte Figuren machen ihm das Leben schwer.

Fast immer endet der zweite Akt mit dem absoluten Tiefpunkt: Ein Verbündeter stellt sich als Verräter heraus, der Love Interest wird entführt, die Gegner halten den Schatz in ihren Händen, die Beziehung ist am Ende oder der Täter scheint entkommen zu sein.

Der dritte Akt: Plan und Auflösung

Im letzten Viertel des Drehbuchs, im dritten Akt, leckt der Protagonist oft zunächst seine Wunden, erkennt dann aber, dass er nicht in seine alte Welt zurückkehren kann, weil er sich verändert hat. Mit Hilfe seiner neuen Erkenntnisse, seines veränderten Ichs, schmiedet er nun einen letzten Plan, den er anfangs mit seinem alten Ich noch nicht hätte durchführen können.

Es folgt die Durchführung des Plans, oft mit einem letzten Wendepunkt und der Auflösung zum mehr oder weniger Guten. Viele Filme enden mit ein paar Szenen in der alten Welt, welche die Veränderungen der Hauptfigur noch einmal klar machen.

Die drei Akte: Schwierigkeiten

Das Hauptproblem für die meisten Drehbuchautoren ist das Füllen des zweiten Akts: Während die Prämisse und auch der Incident schnell geschrieben sind und auch eine sinnvolle Auflösung im dritten Akt kein großes Problem darstellt, fragt sich stets, was dazwischen passiert.

Zu einem gewissen Grade sind die Schritte aufgrund der zu durchlaufenden Entwicklung zwar recht klar, aber die Spannung dabei hochzuhalten und durchgängig Fortschritte zu machen, ist die große Kunst und Schwierigkeit des Drehbuchschreibens.

Große Hollywood-Filme greifen dafür in der Regel auf Set Pieces und einzelne Sequenzen zurück, die wir in einem späteren Artikel näher erläutern werden.

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