Muss man Entertainer sein, um Schriftsteller zu werden?

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Bis vor ein paar Jahren hätte man diese Frage wahrscheinlich klar verneinen können. Ein paar öffentliche Lesungen und Auftritte helfen natürlich schon immer dabei, ein Buch und einen Autor bekannter zu machen, aber es war keine Vorraussetzung, um ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden.

Doch nicht erst seitdem in den vergangenen Tagen die Lit.Cologne als großartiges „Event“ immer wieder Erwähnung fand und unter anderem von der großen „Frank Schätzing Show“ gesprochen wurde, lässt sich diese Frage nicht mehr so klar beantworten.

Schriftsteller werden: Entertainer Bild
von Wikimedia Commons

Der Autor als Unterhalter

Natürlich, wenn wir den Begriff des Entertainers wörtlich übersetzen, also als Unterhalter, müsste man feststellen, dass die meisten Schriftsteller schon immer genau das waren: Menschen, die andere Menschen unterhalten wollten. Doch ein Entertainer ist selbstredend mehr als das, denn er rückt zwangsläufig auch die Person an sich in den Vordergrund, mitunter sogar mehr als das eigentliche Werk. Ist das wirklich notwendig?

Derzeit lässt sich diese Frage wiederum noch so beantworten: „Es kommt auf Ihre Ziele an!“ Wenn Sie „nur“ ein Autor von vielen sein wollen, der alle ein, zwei Jahre ein neues Buch veröffentlicht und davon einigermaßen leben kann, dann müssen Sie sich selbst noch nicht zwangsläufig in den Vordergrund rücken. Anders sieht es aus, wenn es Ihre Zielsetzung ist, einen – oder besser: mehrere – Bestseller zu schreiben, denn dann lässt es sich kaum noch vermeiden, zu einem gewissen Grade in der Öffentlichkeit zu stehen und sich somit auch selbst zu vermarkten, so unangenehm das manchen Schriftstellern auch sein mag.

Problem: Konkurrenz

Im vorigen Absatz habe ich ausdrücklich „noch nicht“ geschrieben, weil anzunehmen ist, dass dieser Zustand nicht mehr lange anhalten wird und auch Schriftsteller sich den natürlichen Mechanismen eines jeden Marktes zunehmend unterwerfen müssen. Nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Internet, Social Media und Self Publishing werden mittelfristig auch „normale“ Autoren nicht drumherum kommen, sich selbst zu einem gewissen Grade zu vermarkten und den Entertainer zu mimen. Denn wenn Sie es nicht machen, dann macht es ein anderer!

Das hat allerdings nicht nur Nachteile, denn als Schriftsteller sollten Sie schon jetzt zumindest in der Lage sein, andere von ihren Ideen und damit auch Ihren Werken begeistern zu können: Beim Verkaufen eines Buches – und um nichts anderes geht es schließlich auf dem Weg zum Autor – gewinnt ein guter Pitch zunehmend an Bedeutung. Neben einer guten Leseprobe ist die Begeisterung für das eigene Werk und die Kunst, auch in anderen Menschen Begeisterung oder zumindest Neugier und Interesse wecken zu können, von enormer Bedeutung – so dass die Grenze zwischen Entertainer und Unternehmer ohnehin verschwimmt.

Falls Sie die Idee, sich als Schriftsteller in den Vordergrund zu rücken, ganz furchtbar finden, gibt es noch eine Alternative: Werden Sie Drehbuchautor! Auch hier müssen sie natürlich die Kunst des Pitches beherrschen (mehr sogar noch als ein Buchautor), aber Sie laufen zumindest kaum Gefahr, von der Öffentlichkeit auch nur ansatzweise wahrgenommen zu werden, denn die interessieren sich nur für Regisseure und Schauspieler. Was allerdings auch nicht jeden Autor begeistert…

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