Guten Schreibstil lernen

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Schreiben ist gut zehn Prozent Talent und neunzig Prozent Schweiß sagen manche. Das mag tatsächlich stimmen – und dennoch gibt es immer wieder Autoren, die einfach in anderen Sphären zu schreiben scheinen, die einen so einmaligen Schreibstil haben, dass man sich selbst klein und unfähig fühlt.

Doch die Wahrheit ist: Auch die besten Autoren wurden nicht mit ihrem Stil geboren, anfangs konnten sie weder sprechen noch schreiben, auch sie haben es also nur gelernt. Das sollte Mut machen – doch wie lernt man einen guten Schreibstil?

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Quelle: http://www.flickr.com/photos/rykneethling/

Wie schreibt man mit Stil?

Eins vorweg: Es kann in diesem Artikel nicht um all die Feinheiten gehen, die einen guten Schreibstil ausmachen, denn damit könnte man Bücher füllen. Manche Autoren haben das sogar getan, aber dazu kommen wir gleich noch. Die erste Regel ist nämlich eine andere: Lesen Sie!

Letzten Endes ist ein guter Stil zunächst einmal immer nur Nachahmung. Genauso wie Kinder lernen, indem sie ihre Eltern nachahmen, genauso wie wir in der Schule schreiben gelernt haben, indem wir die Buchstaben nachgemalt haben, genauso ist der Schreibstil zunächst einmal reine Nachahmung. Und nachahmen können Sie logischerweise nur das, was Sie kennen.

Unser erster Rat lautet daher, so viel wie nur möglich auf Deutsch zu lesen. Beschränken Sie sich dabei nicht auf Romane Ihres Genres, sondern lesen Sie auch Zeitungen, Magazine, Reportagen, lesen Sie Thriller, Komödien, Liebesromane, Drehbücher – lesen Sie alles, was Ihnen in die Finger kommt!

Und scheuen Sie sich bitte nicht, auch vermeintlichen Schund zu lesen: Oft sind es gerade die schlechtesten Beispiele, von denen man etwas lernt. Und wenn nicht, kann man sie wenigstens bei Gelegenheit mal satirisch nachahmen. Auch klassisches, komplexeres Deutsch wie von Schopenhauer, Hegel und Nietzsche ist lesenswert.

Empfehlenswert finden wir darüber hinaus die Bücher „Wie man gut und lebendig schreibt“ sowie „Kreatives schreiben“.

Beobachten und üben Sie!

Vom Lesen allein entwickeln Sie aber natürlich noch keinen guten Stil. Der zweite Schritt sollte es sein, sich Notizen zu machen, was Ihnen am Stil eines Autors gefällt und was nicht. Legen Sie beim Lesen einen Block neben sich und machen Sie Notizen: Wie baut der Autor seine Sätze auf, benutzt er viele Adjektive, welche Vergleiche gefallen Ihnen besonders, welche Konstruktionen irritieren Sie?

Der dritte und wichtigste Schritt schließlich ist das aktive Üben: Greifen Sie zu einem beliebigen Roman, lesen Sie ihn vielleicht zur Hälfte und versuchen Sie dann, ein eigenes Kapitel zu schreiben, das in dem Roman auftauchen könnte.

Sie müssen dabei natürlich nicht genau den Stil des Autors treffen, schließlich wollen Sie eine eigene Note entwickeln und nicht nur kopieren, aber es sollte zumindest in die gleiche Richtung gehen. Sind Sie damit zufrieden, greifen Sie zum nächsten Roman eines anderen Autors und machen das gleiche!

Keine Angst: Am Anfang mag das irritierend sein, denn welcher Künstler will seinen Stil schon anderen nachahmen? Aber jeder Künstler lebt von der Inspiration, von den Einflüssen anderer Künstler und Ihr Ziel ist es selbstverständlich nicht, einen einzelnen Autor kopieren, sondern die besten Elemente verschiedener Autoren für sich selbst aufzugreifen und mit eigener Kreativität weiter zu entwickeln.

In gewisser Weise also tatsächlich neunzig Prozent Arbeit, zehn Prozent Talent. Die Regel gilt auch für das Lernen eines guten Schreibstils.

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