Nonlineares Erzählen: Wie und wann?

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Das nonlineare Erzählen hat in Büchern, Filmen und Fernseher in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren enorm an Bedeutung gewonnen: Flashbacks und Flash-Forwards, nicht immer als solche gekennzeichnet, haben großartige Werke wie Pulp Fiction und Lost erst ermöglicht, die herkömmlich, also linear, erzählt wohl nie auf ähnliche große Popularität gestoßen wären. Was kann man als Schriftsteller davon lernen, welche Konsequenzen sollte man daraus für seine eigenen Geschichten ziehen und auf welche Probleme kann man stoßen?

Lesen Sie hier unsere Gedanken über nonlineares Erzählen!

Linear oder nonlinear?
Quelle: Wikimedia Commons

Das nonlineare Erzählen

Der Einsatz des nonlinearen Erzählens setzt zwei elementare Dinge voraus: Zum einen müssen Sie Ihre Geschichte in- und auswendig kennen, sie also komplett durchgeplant haben, um überhaupt erst ans nonlineare Erzählen zu denken – denn wenn Sie sich über Anfang, Ende, den Weg dazwischen oder auch nur die Backstory nicht völlig im Klaren sind, führen Flashbacks, Flash-Forwards, überhaupt alle Zeitsprünge, in der Regel in die Katastrophe.

Denn wenn Sie selbst keinen klaren Überblick über Ihre Geschichte haben, wie soll es dem Leser gelingen, der von Zeitebene zu Zeitebene geschubst wird?

Das zweite, aber nicht minder wichtige Element ist: Sie brauchen einen sehr, sehr guten Grund, warum Sie Ihre Geschichte nicht linear erzählen wollen – und genau der fehlt vielen Bücher und Drehbüchern. Insbesondere angehende Autoren bauen Flashbacks und Flash-Forwards gerne allein deshalb ein, weil sie es in anderen Werken halt „cool“ fanden und es nach einem Twist klingt, mit dem man seine Leser leicht begeistern kann, doch das allein ist kein ausreichender Grund!

Gründe und Gefahren

Tatsächlich gibt es nur drei gute Gründe, die für das nonlineare Erzählen sprechen: Sie können auf diese Weise mehr Spannung generieren, Sie können mehr Witz erzeugen oder Sie können den Leser auf eine besondere Art und Weise überraschen, die linear erzählt nicht möglich wäre.

Insbesondere Flashbacks sollten jedoch in der Regel nicht dazu eingesetzt werden, um zum Beispiel einen Charakterzug oder die Handlungen einer Figur zu etablieren. In den meisten Fällen ist es sinnvoller, diese Charakterzüge in der Gegenwart zu zeigen, denn jeder Zeitsprung bringt die Hauptstory unweigerlich zum Stillstand.

Dass Pulp Fiction, ein Film aus dem Jahre 1994, zwanzig Jahre später noch so einen guten Ruf genießt und als bestes Beispiel für nonlineares Storytelling angeführt wird, sollte Ihnen eine kleine Warnung sein: Es ist nicht so, dass es andere Filme danach nicht versucht hätten, sondern es ist schlichtweg so, dass es kaum einem Film nach Pulp Fiction wirklich gut gelungen ist! Denn zu häufig verwirren Zeitsprünge den Leser oder Zuschauer lediglich, sie wirken wie ein aufgesetztes Gimmick, nicht wie ein elementarer Bestandteil des Plots.

Spärlich eingesetzte Flashbacks hingegen können dann sinnvoll sein, wenn es für die Entwicklung der Geschichte unabdingbar ist, dass eine Figur etwas aus Ihrer Vergangenheit erzählt, und Sie den Moment dann tatsächlich zeigen, anstatt ihn nur zu beschreiben. In diesem Flashback kann dabei natürlich auch der schon zuvor angesprochene unzuverlässige Erzähler mit einfließen, denn nicht jede Figur muss zwangsläufig die Wahrheit sagen, wenn sie aus ihrer Vergangenheit berichtet.

In Flash-Forwards hingegen sollte man auf den unzuverlässigen Erzähler oder andere bewusste, arge Täuschungen in der Regel verzichten, fragen sich aufmerksame Leser und Zuschauer bei Flash-Forwards doch, was in der Zwischenzeit passiert sein mag, damit es zu diesem Ausgang kommt. Haben sie jedoch nicht den Hauch einer Chance, die Wahrheit zu erahnen, können sie sich vom Autor betrogen fühlen – und das wollen wir unbedingt vermeiden.

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