Prämisse: Fish out of Water

Wenn wir nach den großen Dramaturgen gehen, gibt es strukturell nur ganz wenige Geschichten, aber es gibt unzählige Ansatzpunkte für eine gute Geschichte. Wir wollen auf einige dieser Ansatzpunkte hier eingehen und beginnen mit dem einfachsten, aber derzeit wahrscheinlich auch am gebräuchlichsten: dem Fish out of Water.

Fish out of Water: Was ist das?

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Sie selbst kennen sicher unzählige Filme, Serien und Geschichten, welche die „Fish out of Water“-Prämisse verwenden: Ein Polizist wird aus der Stadt auf’s Land versetzt. Ein Slacker bekommt plötzlich die Nachricht, dass er Vater ist. Ein einfacher Mann stolpert über etwas, das er nicht sehen sollte, wird verfolgt und muss nun sich und seine Familie retten. Ein ehemaliger Soldat kehrt zu Hause in den Alltag zurück. Und so weiter und so fort.

All diese Situationen haben eines gemeinsam: Der Protagonist kennt sich in einem Gebiet sehr gut aus, wird mit dem Incident, dem Catalyst, jedoch in eine Situation gesteckt, in der er mit seinem Wissen auf den ersten Blick nicht das Geringste anfangen kann.

Diese Situation kann ein anderer Ort, ein anderer Job, eine Bedrohung oder auch nur eine neue emotionale Verfassung sein – wichtig ist allein, dass sich die Figur zunächst darin nicht zurechtfindet. Verstärkt werden kann diese Situation noch durch den Verlust oder Tod eines Mentors oder einer Vaterfigur, selbst Star Wars ist in gewisser Weise eine „Fish out of Water“-Geschichte.

Weitere bekannte Beispiele sind unter anderem Crocodile Dundee, Der Herr der Ringe, Zurück in die Zukunft, Findet Nemo oder – um mal etwas Deutsches zu nennen – Mord mit Aussicht.

Fish out of Water Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/tico24/

Fish out of Water: Und dann?

Das Interessante an der „Fish out of Water“-Prämisse ist jedoch nicht zwangsläufig der Beginn, sondern wie der Protagonist mit dieser Situation umgeht und wie er sich dadurch entwickelt.

Ein Kommissar auf dem Land wird wahrscheinlich erkennen, dass seine Fähigkeiten hier genauso funktionieren wie in der Stadt – er muss sie nur etwas anders einsetzen. Ein Anwalt hingegen, der es gewohnt ist zu lügen und plötzlich nicht mehr lügen kann, wird eine gänzlich andere Entwicklung durchlaufen und neue Fähigkeiten entdecken müssen, wenn er in der neuen Welt bestehen will.

Üblicherweise sind die Veränderungen natürlich zum Vorteil des Protagonisten und zu dem Vorteil seiner Umwelt, er lernt daraus, verbessert sich selbst und macht anderen Menschen das Leben mit ihm leichter, auch wenn er sich anfangs den Veränderungen widersetzt.

Fish out of Water: Chancen & Gefahren

Wie anhand der Beispiele ersichtlich, lässt sich die Prämisse in zahlreichen Genres einsetzen und kann gleichermaßen für Spannung wie für Comedy sorgen. Wir sehen gerne selbstbewusste, arrogante Figuren, die plötzlich ganz klein werden, weil ihre erlernten Fähigkeiten nicht mehr funktionieren. Aber wir identifizieren uns auch gerne mit Underdogs, die in eine neue Rolle schlüpfen und über sich hinauswachsen müssen.

Die größte Gefahr bei „Fish out of Water“ ist, dass die Prämisse zum einen schon recht abgenutzt ist und wir die üblichen Hindernisse, Stolpersteine und Entwicklungen bereits kennen. Zum anderen trägt die Prämisse nur über einen gewissen Zeitraum und ist damit vor allem für TV-Serien eher ungeeignet: Wenn der Protagonist auch nach einer Staffel noch immer nicht richtig in der neuen Welt angekommen ist, läuft etwas falsch.

Ob die Prämisse zu Ihrer Geschichte passt, müssen Sie daher selbst von Fall zu Fall entscheiden!

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