Rückblenden in Drehbüchern

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Rückblenden – oder auch Flashbacks, wie sie aus dem Englischen sehr bekannt sein dürften – sind ein beliebtes Stilmittel in Filmen: Immer mehr Autoren transportieren auf diese Weise notwendige Backstory, andere nutzen sie ironisch, um einen aktuellen Konflikt zu konterkarieren, häufig wird dem Leser beziehungsweise Zuschauer auf diese Weise aber auch Wissen vermittelt, das er den Figuren voraus hat.

Kurz und gut: Das nonlineare Erzählen ist äußerst beliebt. Aber wie genau schreibt man eigentlich Rückblenden in Drehbüchern?

Rückblenden: Format

Das Format für Flashbacks ist viel einfacher als man denkt: Der Szenenüberschrift wird einfach das Wort „ZUVOR“ oder eine Zeitangabe wie „1995“ oder „DREI MONATE VORHER“ angehängt. „RÜCKBLENDE“ ist auch möglich, als Angabe aber manchmal zu ungenau.

Ein Beispiel:

INT. SUPERMARKT – TAG

MARTIN, 25, steht vor einem Supermarktregal und starrt einen bunten Lolli an.

MARTIN

So einen hatte ich als Kind immer...

INT. ELTERNHAUS – TAG – 15 JAHRE ZUVOR

OPA überreicht dem JUNGEN MARTIN, 10, einen eben solchen Lolli. Der nimmt ihn strahlend an.

INT. SUPERMARKT – TAG – GEGENWART

Nachdenklich nimmt Martin den Lolli aus dem Regal.

MARTIN

Ach, Opi. Warum bist Du nur mit meiner Freundin durchgebrannt?

Simpel, oder? Ein „GEGENWART“ erklärt, dass der Flashback vorbei ist, sollte ein weiter Flashback kommen, würde er genauso dargestellt werden.

Wann sind Rückblenden sinnvoll?

Die viel wichtigere Frage jedoch ist, wann Rückblenden überhaupt sinnvoll sind. Zu viele Autoren, auch erfahrene Autoren, setzen Rückblenden zu häufig allein zur Exposition ein – um eine Charaktereigenschaft oder eine Backstory zu etablieren, die man auch geschickter einführen könnte.

Denn das Problem von Flashbacks ist: Sie reißen den Zuschauer jedes Mal aus der aktuellen, der wichtigen Hauptstory heraus. Wenn das zu Beginn der Geschichte geschieht, ist das höchstens ein wenig langweilig, wenn es jedoch später während spannender Momente passiert, kann es richtig ärgerlich sein und auch die besten Szenen zerstören.

Vor jeden Flashback sollten Sie daher unbedingt überlegen: Ist er wirklich notwendig oder könnte man die Information auch anders transportieren? Wenn eine Figur Angst vor Hunden haben soll, muss man dann wirklich zeigen, wie sie als Kind von einem Hund verfolgt und gebissen wurde? Oder reicht es nicht aus, in der Gegenwart die Bissnarbe zu zeigen und eine andere Figur sie darauf ansprechen zu lassen?

Rückblenden können sinnvoll sein, sie können sogar künstlerisch wertvoll sein, aber sie sind ein etwas zu häufig eingesetztes Stilmittel, mit dem man lieber etwas vorsichtiger umgehen sollte.

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