Struktur eines Romans

Es gibt unzählige Möglichkeiten, um aus einer Idee einen kompletten Roman zu entwickeln. Wir erklären hier auf Autor werden bereits einige davon, wollen uns aber natürlich auch ganz intensiv mit der Struktur einer Geschichte beschäftigen. Dabei greifen wir auf die klassische Akt-Struktur zurück, die vor allem vom Theater und Film her bekannt ist, aber deren Grundlagen auch in einem typischen Roman recht am Platz sind.

Struktur einer Geschichte Bild
Quelle: http://www.flickr.com/photos/inpivic/

Roman-Struktur: Drei bis fünf Akte

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Exposition: Der erste Akt in einem Film oder Theaterstück und die ersten Kapitel eines Buches dienen nahezu immer der Exposition; die Einführung der Figuren, das Aufzeigen ihrer Probleme, die Erklärung des Status Quo. Der Anfang des Romans zeigt die Charaktere in ihrer alten, normalen und mitunter langweiligen Welt vor dem Beginn ihres Abenteuers.

Neben dem Protagonisten werden hier auch diverse Nebenfiguren und manchmal sogar bereits der Widersacher oder seine Gehilfen etabliert. Wichtig ist, ganz klar das Problem des Protagonisten zu zeigen, um seine Entwicklung anzudeuten, die er im Laufe der Geschichte durchmachen wird.

Ein Mann traut sich nicht, eine Beziehung einzugehen, ein Kommissar wird von den Geistern eines nicht gelösten Falles verfolgt, eine Frau kommt nicht über den Tod ihres Mannes hinweg, ein von seinen Mitschülern gemobbter Junge traut sich nicht, Widerworte zu geben.

Üblicherweise endet die Exposition mit einer Veränderung der Situation, dem Katalysator, der die Geschichte beziehungsweise das Abenteuer in Gang bringt: Das Kennenlernen einer potentiellen Geliebten, das Auffinden eines Toten, eine einschneidende Veränderung im Umfeld des Protagonisten.

Steigende Handlung: In Folge dieses Katalysators beginnt der Protagonist, das Heft in die Hand zu nehmen – manchmal tut er es aus mehr oder weniger freien Stücken, oft wird er jedoch dazu gezwungen. Äußerer und innerer Druck wirkt auf ihn ein, aber noch ist er in der Lage, damit umzugehen, ohne sich zu verändern.

Ein Polizist sammelt in diesem Abschnitt mit altbekannten Mitteln zunächst Spuren und befragt Zeugen, in einer Liebesgeschichte kommt es zu ersten Date, die Hauptfigur scheint Fortschritte zu machen.

Gleichzeitig steigt jedoch die Spannung an, der Druck nimmt stetig zu und immer wieder deuten sich bereits Hindernisse und Probleme an, die später Konsequenzen nach sich ziehen werden: Ein Kommissar tritt den falschen Leuten auf die Füße, der verliebte Mann verheimlicht seiner potentiellen Zukünftigen etwas und so weiter und so fort.

Höhe- und Wendepunkt: Die steigende Handlung endet mit einem Höhepunkt, der oft zugleich einen Wendepunkt darstellt: Der Protagonist feiert einen vermeintlichen Erfolg oder erleidet eine scheinbare Niederlage.

Darüber hinaus werden weitere Zeit- und Optionslimits eingeführt: Der Chef des Kommissars gibt ihm noch zwei Tage, um den Fall zu lösen, die Freundin unseres verliebten Mannes nimmt einen Job im Ausland an, den sie in einem Monat antreten müsste.

Der Druck auf den Protagonisten wird dadurch enorm erhöht und spätestens jetzt hat er keine andere Wahl mehr, als höhere Risiken einzugehen und sich damit klar zu verändern. Schon in der steigenden Handlung wählt die Hauptfigur Mittel, die sie üblicherweise nicht anwenden würde, doch je mehr der Druck zunimmt, desto stärker muss sie sich anpassen, was auch in ihrem Umfeld Probleme hervorrufen kann.

Fallende Handlung & Katastrophe: Diese Probleme kommen in der fallenden Handlung klar zum Tragen. Manchmal wird der Protagonist hier von seinen Veränderungen geradezu überrollt, er kommt langsamer voran, wird von inneren und äußeren Faktoren aufgehalten.

In einem Krimi kommt es hier oft zum Zusammentreffen mit dem Bösewicht und seinen Mittelsmännern, die versuchen, dem Helden Steine in den Weg zu legen. In einer Liebesgeschichte kann das Geheimnis des Protagonisten ans Licht kommen oder die Unterschiede zwischen den beiden Figuren werden zu groß und es knallt.

In nahezu allen Fällen endet dieser Abschnitt des Romans mit einem absoluten Tiefpunkt, an dem der Protagonist für seine Veränderung anscheinend nicht belohnt wird: Der Killer entkommt, die Geliebte packt ihre Sachen, sämtliche Spuren laufen ins Nichts, das Vertrauen ist gebrochen. Am Tiefpunkt scheint der (metaphorische) Tod des Protagonisten unausweichlich zu sein.

Resolution: Dann jedoch zieht sich der Protagonist in der Regel selbst, manchmal auch mit Hilfe gewonnener Freunde, aus seinem Tief. Er erkennt seine Veränderung zum Besseren, versteht, dass er jetzt nicht aufgeben kann und entdeckt mit Hilfe seiner neu gewonnen Mittel eine Lösung.

Er schmiedet einen letzten Plan, den Täter zu stellen oder die Frau für sich zu gewinnen, und führt ihn dann ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben aus – auch von letzten Hindernissen, die bereits am Anfang der Geschichte etabliert wurden, lässt er sich nicht aufhalten.

Zur Belohnung erreicht er in fast jedem Roman sein Ziel und kehrt danach mit der Belohnung – seiner Geliebten oder dem besiegten Bösewicht – in die alte Welt zurück. Meistens hat er sein Leben und das seiner Verbündeten zum Besseren verändert, auch wenn natürlich andere Enden möglich sind.

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